01.12.2003

Ende November 2003 fanden sich in der Jugendherberge Göttingen zirka zwanzig TeilnehmerInnen aus dem ganzen Bezirk Hannover zusammen, um mehr über die Grundlagen deutscher Arbeitsmarktpolitik zu erfahren.
Die aktuelle veröffentlichte Meinung im Deutschland des Jahres 2003 suggeriert, dass es nur einen Weg aus der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zu geben scheint: Der Staat muss raus aus der Wirtschaftspolitik, die Steuern müssen gesenkt, Gesetze und Verordnungen abgebaut und der Einfluss der Gewerkschaften massiv zurückgedrängt werden.
Bekanntlich übt die Wiederholung: Je länger und intensiver diese einseitige These verbreitet wird, umso mehr Leute scheinen sie zu glauben und umso schwieriger wird es, eine argumentative Linie dagegen zu finden. Schließlich gehört dazu ein großer Fundus an Theorien und wirtschaftliches Wissen, über das man nun nicht von vorneherein verfügt. Dies zu verändern war das Ziel beim arbeitsmarktpolitischen Seminar: Grundlagen zu schaffen, die aktuelle Situation besser zu verstehen und alternative Auswege aufzeigen zu können.
Ausgangspunkt dafür waren die elementaren Theorien von Karl Marx über variables und konstantes Kapital und die Entstehung des Mehrwerts. Im Anschluss erfolgte über ein Tarifverhandlungs-Rollenspiel die Einführung in das Themenfeld der ArbeitnehmerInnen-Vertretung, in dem man sein Wissen über Tarifpolitik und die Aufgaben, Funktionen und Geschichte deutscher Gewerkschaften erweitern konnte.
Am Sonntag folgte dann eine Darstellung der Entwicklung der deutschen Wirtschaft zwischen Nationalökonomie und Globalisierung. Zum besseren Verständnis dieser Entwicklungen schilderte – in zeitlich begrenztem Rahmen – der eigens angereiste stellvertretende Bundesvorsitzende Tobias Gombert die entscheidensten wirtschaftspolitischen Theorien. Beginnend mit der Verbindungslinie zwischen Liberalismus und dem klassischen Modell wies Tobias auf die Schwächen dieses Zirkulationsmodells hin und beschrieb dann den Keynesianismus insbesondere in seiner Bedeutung für antizyklische Wirtschaftspolitik – ohne zu vergessen, mit Seitenblicken Vergleiche mit dem Marxismus zu ziehen.
Dank der Referenten – vom Juso-Bezirk waren Torben Villwock und Nils Hindersmann tätig – bekamen die Anwesenden einen besseren Eindruck über die Hintergründe der aktuellen wirtschaftspolitischen Entscheidungen. Hoffen wir nun, dass die mit jeder Menge Spaß gewonnen Erkenntnisse auch in den Unterbezirken Anwendung finden. Denn: Erst wenn man die Welt wieder anders interpretiert, kann man sie auch positiv verändern.
(Stefan Christmann) 
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