|
29.04.2003

Herbst 2001: Die Juso-SchülerInnen-Gruppe des Juso-UBs Göttingen, die das bildungspolitische Geschehen in und um Göttingen entschieden begleitete, traf sich bis auf weiteres zum letzten Mal.
Da der Kommunalwahlkampf anstand und die Schülis sich daran beteiligen wollten, hatten die Neu-Abiturienten die Gruppe am Leben gehalten. Nach der Wahl verließen uns die nun als Zivis sich die Zeit vertreibenden Ex-Schülis und die Schüli-Gruppe bestand aus - wenn wir aufrunden - 2 Leuten. So wurde die Gruppe zwar nie formal aufgelöst, jedoch hatte sie einfach keinen Bestand mehr.
Heute, im April 2003, hat sich die Juso-Schüli-Gruppe als fester Bestandteil der Jusos in Göttingen etabliert, nachdem sie nach den Sommerferien neu gegründet und dem Juso-Stadtverband angegliedert wurde. Die Erfolgs-Story, die Ende 2001 unterbrochen wurde, geht jetzt also weiter. Die etwa alle 3 Wochen stattfindenden Sitzungen sind meist zahlreich besucht und die Schüli-Gruppe ist aus ihrer Lethargie erwacht. Das haben wir vor allem dem Umstand zu verdanken, dass die SchülerInnen viel politischer sind, als es immer angenommen wird. Dieser Tatsache Nachdruck zu verleihen ist nun Aufgabe unserer Gruppe.
Thematisch setzen wir uns mit aktuellen bildungspolitischen Entwicklungen auseinander. Da auf diesem Gebiet jede Menge passiert und vieles in eine falsche Richtung läuft, diskutieren wir oft ausgiebig, ab und an auch mal sehr kontrovers.
Fest steht für uns allerdings, dass das Ganztagsangebot ausgeweitet und die Gesamtschule auf lange Sicht als Regelschule eingeführt werden soll. Nur so lassen sich Chancengleichheit und "Soziales Lernen" verwirklichen. Die schulische Entwicklung junger Menschen muss unabhängig von deren Elternhaus sein. Die Einführung von Kopfnoten in Niedersachsen war deshalb eines der kontraproduktivsten Mittel, das man sich hätte ausdenken können, denn auf diese Weise wird den negativ auffallenden Schülern nicht geholfen, ihre Probleme zu lösen. Stattdessen bekommen sie schlechte Kopfnoten und das verstärkt den Frust. Anstelle solcher subjektiven Benotung brauchen wir Lehrkräfte, die nicht nur als reine Wissensvermittler, sondern insbesondere als Pädagogen auftreten, die den Schülern bei Problemen zur Seite stehen und nicht einfach nur mit schlechten Noten auf die Jugendlichen "einschlagen". Eine Reform der Lehrerausbildung ist also notwendiger denn je!
Durch die Schaffung eines Zentralabiturs, wie es demnächst auch in Niedersachsen eingeführt werden soll, würden mögliche positive Effekte jedoch schnell wieder verpuffen, denn der Leistungsdruck würde zunehmen und es käme zu einer Konkurrenzsituation unter den Schulen, die ja demnächst ohnehin "selbständig" sein sollen. In der Folge käme es zu einer Aufsplittung zwischen den erfolgreichen und den weniger erfolgreichen Schulen (gemäß dem landesweiten Ranking) und da sich das Land immer mehr aus der Bildungspolitik herauszieht, ist es im Grunde unmöglich die Leistungsunterschiede unter den Schulen auszugleichen, sodass es auch zu keinem hohen einheitlichen Bildungsniveau kommen würde - und im Endeffekt sind die SchülerInnen die Leidtragenden. Anstelle solcher Projekte ist eine Ausweitung des Ganztagsangebotes an Schulen viel wichtiger - die "Verlässliche Grundschule" ist hier ein interessantes Konzept. Allerdings muss auch an weiterführenden Schulen eine Ganztagsbetreuung realisiert werden, denn an Schulen soll in Zukunft nicht mehr nur gelernt, sondern auch und vor allem zusammengelebt werden.
Wenn wir in diesem Lande mal die politische Verantwortung tragen, wollen wir in einer solidarischen und sozial gerechten Gesellschaft leben, in der nicht die Ellenbogen ausschlaggebend sind. Dementsprechend muss das Schulsystem heute - mit Blick in die Zukunft - organisiert und umgestaltet werden. Bei einer derart konservativen CDU/FDP-Regierung, wie wir sie mittlerweile bei uns in Niedersachsen haben, sind wir umso mehr aufgefordert, negativen und rückwärtsgewandten Trends in der Bildungspolitik energisch entgegenzutreten.
Alle Schülis, die politisch interessiert sind und mit uns über Bildungspolitik diskutieren wollen, sind herzlich dazu eingeladen, an unseren Sitzungen teilzunehmen.
(Fabian Kahlert) 
|
|