01.04.2004

Wenn ehemalige Topmodels anfangen zu singen, befürchtet man oft das schlimmste. Bei Carla Bruni gibt es dazu keinen Grund. Mit ihrem Debüt "Quelque m'a dit" legte sie eine ruhige, sinnliche Platte vor, die es lohnt zu hören. Und ganz nebenbei definiert sie den Chanson neu.
Die französichen Musiker von AIR sagten einmal, dass die Bands aus Frankreich furchtbar wären. Das mag auf sogenannte Euro-Popper zu treffen, aber Carla Bruni können sie damit unmöglich gemeint haben. Die CD "Quelque m'a dit" ist vielleicht gewöhnungsbedürftig, wenn man sich von dem allgemein angestellten Vergleich mit Norah Jones leiten lässt - oder eben nur Euro-Pop gewöhnt ist. Doch ist die CD alles andere als furchtbar. Auch nicht schrecklich. Sondern nach der Eingewöhnungsphase einfach nur schön.
Frankreich gehörte schon immer dem Chanson, und genau an diesen wird man hier erinnert.
Ohne Schnörkel, mit einfachsten Instrumenten, teilweise nur von einer Gitarre begleitet, lässt Carla Bruni ihre Lieder durch ihre einfache, total natürliche, rauchige Stimme leben. Man besinnt sich auf das, was Musik, hier Chansons, ausmacht: die Stimme und der Text. Kein Computer, keine Effekte - eine unglaubliche Natürlichkeit. Die CD wirkt nicht wie durch den Computer gejagt, sondern eher in einem Heimstudio aufgenommen.
Eine dunkle Bühne mit ein paar Musikern im Hintergrund und einem kleinen Mädchen mit Gitarre im Scheinwerferlicht, das dort schüchtern steht und ihre Lieder ins Mikro haucht.
Da wünscht man sich doch, wenigstens ein bißchen Französisch behalten zu haben. Doch tun mangelnde Sprachkenntisse dem Hörgenuß keinen Abbruch. Die Musik fesselt und man hat das Gefühl das wichtigste eh zu verstehen.
Diejenigen, die Französisch verstehen, kommen in den Genuß teils verspielter, teils poetischer Songtexte.
Bereits im November 2002 erschien Carla Brunis Debüt in Frankreich, bevor es im Juni 2003 auch in Deutschland veröffentlicht wurde. Hier schien es aber im Pop- und Superstarwahn unterzugehen und die künstliche Musik Oberhand zu gewinnen. Carla Bruni zeigt aber, dass man auch mit natürlicher Musik weiterkommen kann und lässt den geneigten Musikliebhaber wieder hoffen.
Das würde man einem ehemaligen Supermodel nicht unbedingt zutrauen. Bereits Naomi Campell hatte es mit einer Musikkarriere versucht, blieb aber glücklicherweise auf dem Laufsteg. Carla Bruni verließ genau den 1998, nach einer beachtlichen Karriere und einem geschätzten Jahreseinkommen von 7,5 Millionen Dollar.
(Heike Boldt) 
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