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Juli 2008

 

Nachtzug nach Lissabon (Von Pascal Mercier)

 

Ein regnerischer Tag in Bern, der Lehrer Raimund Gregorius, von allen nur Mundus genannt, macht sich auf den Weg zur Schule. Er geht jeden Tag um dieselbe Uhrzeit denselben Weg, doch an diesem Tag sollte alles anders werden. Der Roman „Nachtzug nach Lissabon“, von Pascal Mercier, beschäftigt sich mit dem Leben von Raimund Gregorius, einem beliebten Latein- und Griechischlehrer eines Berner Gymnasiums. Die Schüler, besonders die Schülerinnen mögen ihn. Er ist ruhig, kann zuhören, niemand malt so schöne griechische Buchstaben wie er, dennoch ist das Leben von Raimund Gregorius von Eintönigkeit geprägt. Jeder Tag verläuft wie der andere, es gibt keine Ausnahmen. Doch an dem Morgen, an dem Raimund eine junge Portugiesin auf einer Brücke trifft, die ihm eine Telefonnummer auf die Stirn schreibt, verändert sich sein ganzes Leben. Raimund nimmt die Portugiesin mit in die Schule, in seinen Unterricht und als diese das Klassenzimmer verlässt, beschließt er, nach einer ganzen Weile, es ihr gleichzutun. Mundus verlässt den Klassenraum ohne seine Tasche mitzunehmen, er schlendert durch Bern. Schließlich kauft er sich ein Zugticket und reist wenige Tage später mit dem Nachtzug nach Lissabon.

Zunächst geht es nach Frankreich, dort war er bereits einmal mit seiner Freundin, welche sich allerdings aufgrund seines eintönigen Lebensstils wieder von ihm trennte. Im Zug bemerkt Raimund, dass es ihn auf der einen Seite ängstigt, aus seinem gewohnten Leben auszubrechen, ihm gleichzeitig aber auch gut tut. Als leidenschaftlicher Bücherwurm, sowie flinker Übersetzer, hatte er zuvor in Bern ein portugiesisches Buch erstanden, im Zug kann er allerdings noch nicht viel portugiesisch. Das Buch handelt von dem Arzt Amadeu Prado, welcher in Portugal gegen das Regime des Diktators António de Oliveira Salazar kämpfte, er war sehr begabt und stach schon als Schüler durch seine schnelle Auffassungsgabe aus der Menge heraus. Einzig zu seinem Vater, einem Richter, hatte er ein schwieriges Verhältnis, da dieser, durch einen Buckel gezeichnet und dadurch ständigen Schmerzen ausgesetzt, seinen Kindern wenig Liebe entgegenbrachte. Amadeu beschließt aus diesem Grund schon in früher Jugend Arzt zu werden, um die Schmerzen seines Vaters zu lindern. Als angesehener Arzt und Widerstandskämpfer ist er sehr beliebt, bis er einem Mitglied des Salazar Regimes das Leben rettet. Er selber verurteilt sich dafür härter als die Menschen in seiner Stadt und schafft es nicht mit dieser Tat umzugehen. Schließlich stirbt er an einem Hirntumor.

Raimund Gregorius, der nach und nach Portugiesisch lernt und in Portugal Anschluss findet, verliert sich in dem Leben des Amadeu Prado und versucht mehr über den Arzt herauszufinden. Er sucht alte Freunde auf und sogar seine Schwester, welche den Tod Prados nie verwunden hat und noch immer so lebt, als wäre ihr Bruder Amadeu bei ihr.

Raimund erfährt einiges über die Gräueltaten der Salazar Anhänger und merkt zudem, dass er und Prado sich ähnlich sind. Raimund, dessen Augenlicht schon immer sehr schlecht war, hat in Portugal Kontakt zu einer Augenärztin geknüpft, vorher hatte er sich in Bern immer von einem Griechen behandeln lassen, der über die Jahre zu einem engen Freund Raimunds geworden war und mit dem er lange nächtliche Telefonate führt. Die Ärztin verschreibt ihm eine neue Brille und Mundus, der sich bis dahin hinter einem schweren Gestell und dicken Gläsern versteckte, erhält dadurch ein ganz anderes Lebensgefühl, er fühlt sich befreit.

Schließlich hat Mundus den Eindruck genau wie Prado an einem Hirntumor zu leiden, er reist zurück nach Bern, merkt aber, dass er sich dort nicht mehr zu Hause fühlt, er gehört nach Portugal, nach Lissabon.

 
Pascal Mercier lässt in diesem Roman nicht nur Einblicke in das Salazar Regime zu, sondern zeigt zugleich auch das Seelenleben einer Person, welche unter diesen Bedingungen leben musste. Man kann zudem tief in das Bewusstsein von Gregorius eintauchen. Wer einmal angefangen hat, möchte das Buch kaum noch aus der Hand legen!

 

Mona Klatt