November 2007

„Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“
Ich war noch nie ein großer Fan von Ich- Erzählungen. Nur die Sicht von einer Person beschrieben zu bekommen, auch mangelnder Überblick über die gesamte Erzählung, gefielen mir nicht besonders. Schulbücher las ich bis jetzt grundsätzlich nur, weil ich musste, aber nicht, weil ich sie für besonders unterhaltsam hielt.
Als ich nun also wieder einmal eine solche Schullektüre in den Händen hielt, die zusätzlich auch noch mehr als 500 Seiten umfasste, war ich deswegen auch wenig begeistert. Schon nachdem ich die ersten drei Seiten gelesen hatte, regte sich in mir jedoch die leise Hoffnung, dass dieses Buch vielleicht anders sein könnte als die anderen, die ich inzwischen in die hinterste Ecke meines Bücherregals verbannt hatte. Tatsächlich hat es Thomas Mann mit seinen „Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull“ geschafft, was bisher kein anderer Autor einer Schullektüre vermochte: Er hat mich an das Buch gefesselt.
„Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ erzählt die Geschichte von Felix Krull, Sohn eines Schaumweinfabrikanten, der es durch Hochstapelei in einer strengen Gesellschaftsordnung weit bringt. Felix Krull sitzt gerade im Gefängnis, als er seine Bekenntnisse niederschreibt.
Felix´ Geschichte beginnt mit dem Selbstmord des Vaters, der die Pleite seines Unternehmens nicht verkraften kann. Der Sohn, der in guten Verhältnissen, mit Bediensteten an seiner Seite und einem eigenen Hausarzt aufgewachsen war, hatte in seinem Heimatdorf schon von klein auf einige Streiche verübt und sein Talent als Dieb und als Schauspieler unter Beweis gestellt.
Die nun verarmte Familie zieht ohne den Vater nach Frankfurt, um dort eine Herberge zu eröffnen. Felix jedoch fühlt sich von jeher zu Höherem berufen, er will seine Talente nutzen. Zu seinem Glück hatte er schon in seiner kleinen Heimatstadt einen Gönner mit guten Verbindungen nach Paris gefunden. Felix reist also nach Paris und bestiehlt auf dem Weg dorthin eine ältere reiche Dame. In Paris angekommen nimmt er eine Stellung als Liftboy in einem Nobelhotel an. Durch sein gutes Aussehen verdreht er so mancher Frau den Kopf. In dieser Funktion trifft er auch die alte Dame wieder, die er einst beklaute. Die beiden beginnen ein Verhältnis und sie lässt sich noch einmal von Felix bestehlen.
Bald bahnt sich ein beruflicher Aufstieg für den so begabten und mit allen Fähigkeiten ausgestatteten Felix an und er darf fortan als Kellner im Hotel arbeiten. Dort macht er die Bekanntschaft eines reichen Marquis. Dieser ist begeistert von Felix und als der Marquis von seinen eigenen Eltern gebeten wird eine Weltreise zu machen, die er aber nicht antreten will, da er eine Geliebte in Paris hat, bittet er Felix um Hilfe. So kommt es, dass Felix Krull als Marquis de Venosta eine Weltreise unternimmt. Ihren Anfang soll diese Reise in Portugal nehmen. Im Zug nach Lissabon trifft Felix auf einen Professor für Naturkunde. Die beiden geraten in eine lebhafte Unterhaltung und der Professor lädt Felix ein, sein Museum in Lissabon zu besuchen. Dieser Bitte kommt Felix nur zu gerne nach dabei lernt er auch noch die Tochter und die Frau des Professors kennen. Er bekundet Interesse an der Tochter und schafft es schließlich auch die widerspenstige junge Frau für sich zu gewinnen. Allerdings beginnt er kurz darauf auch eine Liebesbeziehung mit der Mutter.
An dieser Stelle enden die Aufzeichnungen Thomas Manns. Er hat über 60 Jahre an dem Buch gearbeitet und es dennoch nicht beenden können. Trotzdem ist dieses Buch auf jeden Fall sehr lesenswert, denn Thomas Mann schafft es mit Ironie und der ganz besonders hochgestochenen, dadurch wieder lustigen Sprache des Felix Krull immer wieder dem Leser ein Schmunzeln zu entlocken. Krull kommt durch seine Hochstapelei auf ungewöhnlichsten Wegen an sein Ziel. Genau das Richtige für die kalten Herbsttage und einen gemütlichen Leseabend im Lieblingssessel.
Mona Klatt

|