13.12.2003

Am 23. Dezember wird die Harald-Schmidt-Show zum vorerst letzten Mal ausgestrahlt. Nach 8 Jahren pointierter Fernsehunterhaltung will „Dirty Harry“ uns verlassen.
Seit dem 5. Dezember 1995 war er auf Sendung. Den Abschied von ihm konnte man in seinen Sommerpausen proben, aber mit einer längeren „Kreativpause“ hatte niemand gerechnet, bis Harald am 8.12.2003 die von ihm gewollte Nicht-Verlängerung seines Vertrages erklärte.
Seit dem spekuliert Deutschland: Ist der Mann wirklich ausgebrannt? Jemand, der mit Playmobil-Figuren die Geschichte von Orpheus nachspielt und damit Kultur in deutsche Haushalte bringt? Oder ist Schmidts Gehalt – immerhin 40.000 Euro pro Sendung – dem neuen Hauptaktionär der ProSiebenSat.1 Media AG zu viel? Jenem Haim Saban, den Schmidt als Power Ranger den Sisyphos-Sat.1-Ball den Berg heraufrollen ließ? Oder war es die Freundschaft zu seinem ehemaligen Chef Martin Hoffmann, der von Saban durch den Schweizer Medienmanager Roger Schawinski ersetzt wurde? Roger Schawinski wie Roger Willemsen, nicht wie Roger Rabbit?
Harald Schmidt sagt zu dem ganzen nur eins: Nichts. Währenddessen versucht der Schweizer Radiopirat, Moderator und Buchautor ("Das Ego- Projekt - 100 Jahre Lebenslust") die Menschen zu überzeugen, Sat.1 nicht auf Schmidt zu reduzieren. Doch genau das ist der Fall: Schmidt ist Sympathieträger, einziges Markenzeichen.
Gewiss, die Liebe zu dieser Sendung hatte immer Höhen und Tiefen. Wenn die Sendung im Niveau mal nach unten pendelte wusste man, dass der Aufschwung wieder kommen würde. Nicht zuletzt wegen seiner politischen Kampagnen haben wir ihn geliebt: Wegen der Rinderschwanzschleife gegen Rinderwahnsinn und der Werbung für deutsche Grundnahrungsmittel („Ich sag ja zum deutschen Wasser!“). Oder für den fiktiven CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Udo Brömme („Für mehr Wichskabinen!“). Schmidts Lebensweg ermutigt: Sein Abiturdurchschnitt lag bei 3,2 und in seiner allerersten Rolle als Mameluk in Lessings „Nathan der Weise“ am Augsburger Theater durfte er nur einen Satz sagen: „Nur hier herein.“ Dennoch ist er vorwärts gekommen. Dann muss das doch jeder können.
Das Aus trifft die politisch-kulturelle Elite eines sowieso schon gebeutelten Landes und stört die Menschen anscheinend mehr als „Terror, Steuerreform oder Dosenpfand“, wie der Spiegel befand. Kein Wunder, das bei einer Pro-Schmidt Demo auch der bayrische SPD-Spitzenkandidat Franz Maget mitläuft und „intelligente Comedy“ einfordert. Populismus oder Ernst? Wie viel kann man einem Land nehmen? Gehört Lachen zur Grundversorgung einer Gesellschaft?
Im Internet entstehen dutzende an Internetseiten mit Unterschriftenaktionen und Hilferufen, Feuilletonisten überschlagen sich mit triefenden Nachrufen. "Wie es ist, wenn das Denken Pause macht", titelte „Die Zeit“. Währenddessen buhlen die Öffentlich-Rechtlichen um den Meister der subtilen Kulturkritik. Schmidt zum ZDF? Oder macht er wirklich eine Pause und macht seinen eigenen Witz zur Realität: „Heute ist Tag des deutschen Butterbrotes. Das gute, alte Butterbrot als Pausenverpflegung auf der Arbeit ist etwas aus der Mode gekommen. Die Arbeit allerdings auch."
Eins ist klar: Er wird uns fehlen. Kein Grund mehr, trotz Müdigkeit nach einem langen Tag noch länger wach zu bleiben. Kein Sandmännchen für Erwachsene mehr, dass einen kurz nach Tageswechsel mit einem „Gute Nacht“ ins Bett schickt.
Danke Harald.
(Stefan Christmann) 
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