November 2007

Die Kraft der Gemeinsamkeit
Ich bin ein neues Mitglied der SPD. Es ist kaum mehr als ein Monat vergangen, seit ich Genosse geworden bin. In meiner Beitrittserklärung habe ich geschrieben, dass bereits die Stimme eines Einzelnen ausreicht, um gehört zu werden. Jedoch ist es noch besser, wenn die Stimme eines Menschen im Chor mit anderen Leuten zusammengehört wird, die mit ihm ein Lied in einem Ton singen. Die Geschlossenheit und die Einigkeit in der Partei helfen uns, ein gewaltiger Chor zu sein, zusammen zu arbeiten, die Vorteile und den Sinn unserer Arbeit und unserer Werte zu erklären. Aber dafür muss man zunächst verstehen. Dafür ist der Austausch innerhalb der Partei, der Austausch zwischen den Parteigenossen notwendig. In diesem Bericht will ich Euch über meine Eindrücke von der Mitgliedschaft in den Reihen der Partei erzählen.
Ein Monat in der SPD.
Die erste Information über das Parteileben und die Tätigkeiten der SPD habe ich aus Internetseiten und aus dem „Vorwärts“ bekommen. Die ersten realen Eindrücke habe ich auf dem Zukunftskonvent in Hannover erhalten. Falls Ihr dort nicht anwesend wart, so könnt ihr über das Geschehen aus dem „Vorwärts“ (Juli/August 2007) erfahren. Der Sitzung wohnten die ersten Männer des Staates und der Partei bei.
Es war möglich, in den Arbeitsgruppen mit dem Bundesaußenminister, mit dem Bundesfinanzminister, mit dem SPD-Vorsitzenden und mit dem SPD-Spitzenkandidaten Niedersachsens und der SPD-Spitzenkandidatin Hessens zusammenzuarbeiten. So konnte man sogar versuchen, mit diesen politischen Personen in den Pausen zu sprechen und persönliche Fragen zu stellen. Bis heute bin ich durch diese angenehmen Eindrücke von der gleichberechtigten menschlichen Beziehung beeindruckt. Obwohl ich ein Ausländer bin, werde ich als SPD-Mitglied voll akzeptiert und plötzlich kommt es mir vor, als ob ich mein ganzes Leben ein SPD-Mitglied war. Wirklich, man erkennt die wahre Größe des Menschen in seiner Beziehung zu Schwachen, Armen und Unbekannten.
Nach dieser Erfahrung applaudierte ich mit riesiger Begeisterung Herrn Kurt Beck, mit großem Interesse hörte ich die Einschätzung der internationalen Situation durch Herrn Frank-Walter Steinmeier zu, aufmerksam lauschte ich den Worten des Hauptfinanzfachmannes des Landes Peer Steinbrück. Ich bedauerte nur eines: Dass ich zwar die Seele eines wahrhaften Bürger besitze, jedoch nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitze und nicht wählen darf.
Und ich habe mich nicht geirrt. Kurt Beck hat den wichtigen Gedanken gesagt, der mein aktuelles Problem wiederspiegelt: „Arbeit für alle! Aber es muss auch gute Arbeit sein!“ Nach solchen Worten, habe ich meine volle Übereinstimmung mit der SPD empfunden, weil die SPD persönlich an mich denkt, und will sie nicht einfach nur ihre eigenen Ambitionen erfüllen. Ich habe den eigenen Freunden über meine Eindrücke und über meinen Wunsch erzählt, in der Partei zu arbeiten. Sie haben begonnen, mich zu fragen: "Wofür muss man sich bemühen? Für wen muss man sich bemühen?" Und ich habe ihnen geantwortet: "Für die Gerechtigkeit! Die Gerechtigkeit ist wie ein Gewissen, aber nicht das des Einzelnen, sondern dasjenige der ganzen Menschheit!“
Bald habe ich eine Einladung des SPD-Verbands Grone bekommen. Dort konnte ich den Landtagskandidaten Ronald Schminke kennen lernen. Dieser hat gesagt, dass man ihn jederzeit, Tag und Nacht, anrufen oder zu ihm kommen kann. Er hat gesagt, dass er uns immer helfen wird. Sein persönliches Leben wird niemals Hindernis der Ziele der Partei und der Wünsche seiner Mitbürger. In Grone habe ich auch das älteste SPD-Mitglied kennen gelernt. Er wurde Mitglied der SPD vor dem Krieg. Er hat mir die tragischen Geschichten der Hitlerzeit erzählt, er hat mir über das interessante Parteileben nach dem Krieg erzählt.
Jetzt, durch diese Erfahrungen geprägt, will ich die aktive Teilnahme an der Tätigkeit der Jusos übernehmen. Die Jugendorganisation in der Partei spielt eine riesige Rolle in der Gegenwart und der Zukunft. Ich werde über Ihre Hilfe für meine Integration in das Parteileben froh sein.
Zur Zeit lese ich das Buch „Willy Brandt ...auf der Zinne der Partei... Parteitagsreden 1960 bis 1983“. In der eigenen Rede hat Herr Brandt gesagt: „SPD – Partei für Europa“. Das gilt heute wirklich. Die Zeiten des sowjetischen Totalitarismus sind beendet. Und so kann man heute nicht an ein starkes Europa ohne Russland denken. Herr Schröder hat uns aufgezeigt, dass die Freundschaft mit Russland nötig ist und ist für Deutschland wichtig. Und Herr Willy Brandt hätte heute Herrn Gerhard Schröder völlig unterstützt. Wir waren die Zeugen der Einigung Deutschlands und Russlands in der Politik. Ich überzeugt, dass wir heute versuchen sollen, Russland zu verstehen, und uns nicht hinter falschen oder gar Vorurteilen verstecken sollten. Ein starkes Russland ist ein guter Partner für Europa.
So stellte der erste Monat in der SPD für mich eine wunderbare Zeit dar. Ich habe die Werte der SPD erfahren und mir ist bewusst, dass diese Werte überzeugend dargestellt werden müssen und wahrhaft europäische sind.
Anton Chtcheglov

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