Juni 2007

Nine Inch Nails live in der Jahrhundert Halle in Frankfurt.
Eingerahmt in die großflächigen Industrieanlagen von Frankfurt Höchst im Westen der Stadt, liegt die Jahrhunderthalle. Der industrielle Charme der Umgebung bot somit den richtigen Rahmen für den Industrial-Rocker Trent Reznor alias Nine Inch Nails. Eine Woche vor Erscheinen seines neuen Albums machte er auf seiner Welttournee in Frankfurt Halt, mit dem Ziel für ein spannungsgeladenes Konzert samt tobendem Publikum zu sorgen.
Äußerlich machte Trent Reznor einen ganz anderen Eindruck als auf seinen früheren Tourneen. Die Haare kurz geschoren und sehr muskulös, betrat er die Bühne nach der Vorband Ladytron. Diese entfachte zuvor mit ihren rhythmischen Elektropop-Klängen und abwechslungsreichen Gesangseinlagen jedoch nur wenig Begeisterung im Publikum. Zu sehr warteten die Anhänger von Nine Inch Nails auf ihren Meister.
Die Bühnenshow war in gewohnter Weise fulminant und rückte Trent Reznor von Beginn an in das richtige, emotionsgeladene Licht. Den Anfang machte „Suck“ und schon das dritte Lied war mit „March of the Pigs“ laut und schnell genug, die Fans vor der Bühne in ein ekstatisches Pogen zu versetzen. Die Stimmung war gut und man klebte mit seinen Ohren an den Gitarren, Synthesizern und Gitarren der Band und der Stimme Trent Reznors. So wurde der Song „Closer“ zu einem kollektiven Emotionstaumel aller Anwesenden.
Nach dem die Band mit „The Beginning of the End“ einen noch unveröffentlichten Song des neuen Albums gespielt hatte, bewegte sich Trent Reznor auf seinen ganz eigenen Höhepunkt zu. Mit „Hurt“, dem vor einigen Jahren durch Johnny Cash gecoverten Klassiker, schien Reznor das Publikum an seinem inneren Schmerz teilhaben lassen zu wollen. Seine von einigen Dutzend Auftritten lädierte Stimme hatte Schwierigkeiten mit den leiseren Gesangspassagen. Das noch kochende Publikum kam nicht zur Ruhe und störte das Mastermind Reznor durch einige Zwischenrufe. Dieses stoppte den Gesang, beschwerte sich beim Publikum und versicherte ihm, es dürfe jederzeit wie „kleine Babies“ schreien, doch nicht bei diesem Song. Das Mikrophon landete unsanft auf dem Boden der Bühne und Reznor ging zum nächsten Song über.
Durch diese Reaktion stellte er zum wiederholten Male klar, dass er die einzige noch lebende Rock-Diva ist, deren Leidensfähigkeit dort aufhört, wo das Publikum ihr die Freude an den eigenen Songs nimmt. Das Publikum jedenfalls war begeistert, die Ecken und Kanten des Sängers live miterlebt zu haben und die Songs und die krachende Musik schallten auch Tage nach dem Konzert noch durch seine vielen Ohren.
Thorsten Hasche 
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