Juni 2007

Year Zero von Nine Inch Nails.
Ende der Achtziger Jahre betrat ein ungestümer aber musikalisch genialer Mann aus Pennsylvania die Bühne der Musikindustrie. Trent Reznor geboren am 17. Mai 1965 und aufgewachsen bei seinen Großeltern, begeisterte die USA mit seinem Debütalbum „Pretty Hate Machine“. Zu düster-aggressiven Rock und Synthesizermelodien prägten sich seine Reisen in die eigene Psyche tief in das musikalische Bewusstsein der damaligen Zeit ein.
Verstörend ehrlich setzte er mit Lieder wie „Suck“, „Burn“ oder „Down in it“ den Abgründen der menschlichen Seele ein prosaisch anmutendes musikalisches Gedächtnis. Seinen Weg durch das Innere setzte er auch mit den Alben „Fragile“ und „Downward Spiral“ fort und der Song „Closer“ machte ihn zum Sexsymbol einer Untergrundszene, die zwischen Gothic, Industrial und Rock angesiedelt war. Kaum jemand war in der Lage, sich den psychischen Entdeckungsreisen zu widersetzen und die umfangreichen Welttourneen stärkten den Kult um die fast „Ein-Mann-Band“ Nine Inch Nails. Zwar benötigt Reznor für die Aufnahme seiner Alben und die Tourneen eine Band, die in letzter Zeit sehr stabil besetzt war und ist, er produziert die einzelnen Songs jedoch vollständig in Eigenregie.
Am 13. April diesen Jahres erschien das neueste Album des Grandseigneur des Industrial-Rocks. Schon der Titel „Year Zero“ zeigt einen Neuanfang an. Auch wenn man sich davon nicht täuschen lassen sollte, da Reznor in regelmäßigen Abständen, eingebettet in seine Drogeneskapaden, von Neuanfängen spricht, sind viele Dinge an diesem Album wirklich neu. Neben sprechgesangartigen Einlagen in „Capital G“ klingen die sehr elektronischen Stücke „Vessel“, „Meet your Master“ und „The Greater Good“ deutlich anders als elektronische Stücke auf den Vorgängeralben. Sie sind weniger ruppig, dafür deutlich poppiger, lassen jedoch nichts an Biss und musikalischer Schärfe vermissen.
Ganz neue Wege beschritt die Band bei der Werbung für ihr neues Album. Bereits 2 Monate vor dem eigentlichen Veröffentlichungstermin, erschienen Hinweise auf das Album auf T-Shirts, verschiedenen Internetseiten und unzähligen Flyern. Dabei versprühte die Band gezielt den Charme einer Verschwörungstheorie und hinterließ die Lieder „Survivalism“, „Me, I’m not“ und „The Violent Heart“ während ihrer Welttournee auf liegen gelassenen USB-Sticks. Höhepunkt war die kostenlose Veröffentlichung aller Songs auf der eigenen Homepage eine Woche vor Verkaufstart des Albums.
Doch Trent Reznor wäre nicht Nine Inch Nails, wenn es nicht auch die prosaischen Texte wären, von der die große Anziehungskraft seiner Musik ausginge. Die deutliche inhaltliche Neuerung ist die Erzeugung eines gesellschaftlichen Mikrokosmos durch das Album. Es sind nicht länger die inneren Welten des Verlustes, Schmerzes und existenzieller Unsicherheit, die Reznor in musikalisch begeisternder Weise entfaltet, sondern die Welt der USA im Jahre 2022. Ein religiöser Polizeistaat kontrolliert die Gesellschaft und schaltet regelmäßig Gegner seines Regimes aus (Survivalism). Die Städte liegen brach, zerstört durch ökologische Krisen und terroristische Anschläge. Er schlüpft in verschieden Rolle wie der eines Soldaten (The Good Soldier), eines Widerstandskämpfers (Survivalism) und eines religiösen Fanatikers (Vessel), durch die er die verschiedenen Facetten dieser negativen Utopie, eines mystischen Schreckensszenarios, schildert.
Nach einer jahrzehntelangen Odyssee durch die eigene Psyche entdeckt Trent Reznor unter dem Eindruck eines globalen Kampfes gegen den Terrorismus, einer drohenden Klimakatastrophe und der Rückkehr der Religionen die Gesellschaft in der er lebt wieder. Dabei empfindet er diese nicht als Spielplatz, sondern als Farce, dessen kultureller und moralischer Wert gegen null tendiert (Zero Zum).
Die besten Links zur Band:
www.nin.com (Das Original)
www.bourningsouls.com (Die umfangreichste Seite im Netz zu Alben, Songs und Bio.)
CD-Daten:
„Year Zero“
Genre: Industrial
Label: Interscope / Universal
Veröffentlichung: 13.04.2007
Tracks: 16
Thorsten Hasche 
|