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Juni 2007

„Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“ von Dai Sijie

 

Kurz vor Sommeranfang, Zeit sich ein gutes Buch für die Hängematte, den Zelturlaub oder einfach für den gemütlichen Sessel im kühlen Haus auszusuchen. Da braucht man etwas interessantes, also wie wäre es mit einem kleinen Exkurs nach China, in die Zeit der Kulturrevolution? Keine Angst, mit „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“ erwartet euch kein trockener Schinken, den höchstens ein Geschichtslehrer empfehlen würde.

 

Inhaltsangabe: Kulturrevolution in China: Luo und sein Freund Ma werden in ein entlegenes Bergdorf in einem Gebiet nahe von Tibet verbannt. Sie selbst nennen den Berg Phönix-des-Himmels, da er so hoch ist. Dort oben, nur von tumben und ungebildeten Bauern umgeben, sollen die beiden Söhne aus akademischem Haus umerzogen werden. Sie werden schon ab der Ankunft vom Laoban (Dorfältester) mit harter Arbeit schikaniert. Als einziger Lichtblick erscheint ihnen der Besuch einer Kinovorstellung, in die sie der Laoban schickt. Sie müssen die Kinovorstellung detailgetreu nacherzählen, was ihnen besonders dank Lous großem erzählerischem Talent gut gelingt. Eines Tages bekommen sie die kleine Schneiderin zu Gesicht und verlieben sich beide in sie. Bedingt durch die körperliche Anstrengung erkrankt Luo jedoch an Malaria. Beide werden von der Arbeit freigestellt und machen sich auf den beschwerlichen Weg zur kleinen Schneiderin. Sie weiß ein Kraut gegen die Krankheit und besorgt sogar Hexen, die die Nacht an Luos Bett wachen sollen. Damit die Hexen nicht einschlafen erzählt Ma ihnen eine Geschichte. Die kleine Schneiderin lobt sein erzählerisches Talent. Nach Luos Genesung machen sich die beiden wieder auf dem Weg zurück. Unterwegs treffen sie den Brillenschang, ein Junge, welcher ebenfalls umerzogen werden soll und freunden sich mit ihm an. Dabei finden sie heraus, dass der Brillenschang einen Koffer voller verbotener westlicher Literatur besitzt, er hütet seinen Koffer wie einen Schatz und möchte keines der Bücher hergeben. Da Luo und Ma ihm jedoch einige Zeit später helfen schuldet er den beiden einen Gefallen und gibt den beiden einen Roman von Balzac. Beide verschlingen das Buch förmlich. Der Brillenschang hat im Gegensatz zu Luo und Ma eine Chance der Umerziehung zu entfliehen, indem er alte revolutionäre Liedertexte ausfindig macht. Dazu benötigt er die Erinnerung des alten Müllers, der als Einsiedler auf einem hohen Berg haust und als Einziger die Texte kennt. Brillenschang verspricht seinen beiden Freunden ein weiteres Buch, wenn sie ihm die Texte besorgen. Beide schaffen es nach einigen Mühen die Texte an sich zu bringen, doch der Brillenschang hält sein Versprechen nicht, nein sogar noch schlimmer, Ma erfährt sogar, dass er dank der Texte bald abgeholt wird. Währenddessen kommen sich Luo und die kleine Schneiderin immer näher. Die drei beschließen die Bücher des Brillenschang zu stehlen, was ihnen auch glückt. Der Brillenschang reist also ohne die Bücher ab. Während einer Reise von Luo vetraut die kleine Schneiderin Ma an, dass sie von Luo schwanger ist. Man schafft es sogar einen Arzt für die Abtreibung zu finden. Luo kehrt zurück, ohne von alldem etwas zu ahnen, doch die kleine Schneiderin hat sich verändert. Eines Tages ist sie plötzlich verschwunden. Ma und Luo erfahren, dass sie in die Stadt gehen und dort ein neues Leben anfangen will. Beide eilen ihr nach. Werden sie sie noch aufhalten können?

 

Fazit: Obwohl in dem Buch ein sehr hartes Schicksal beschrieben wird, geschieht dies doch mit einer gewissen Situationskomik, die beim Leser immer wieder ein Schmunzeln hervorruft. Außerdem konnte der aus China stammende Autor, welcher ein ähnliches Schicksal erleiden musste, durch seinen persönlichen Hintergrund die Situation sehr detailgetreu schildern.

 

Mona Klatt