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August 2006

Namibia liegt im Süden Afrikas zwischen Angola, Botswana und Südafrika. Namibia hat eine Fläche mehr als doppelt so groß wie Deutschland, hier leben aber nur ca. zwei Mio. Einwohner. Die Lebenserwartung liegt bei 55 Jahren. Das Landschaftsbild wird bestimmt von Dornbuschsavanne, es gibt hier wirklich fast keinen Busch ohne Dornen. Zudem gibt es hier Wüste, die Namibwüste, sie ist eine der ältesten Wüsten der Welt.

 

In diesem Land sollte ich also zwei Monate leben, d.h. zur Schule gehen, dies aber zum Glück nur einen Monat weil die Schüler die andere Zeit Examen schreiben.

Schnell haben wir Austauschschüler - ich bin mit einer Gruppe gefahren- gemerkt, dass hier einiges anders ist. Z.B. umgibt jedes Gebäude eine mindestens einen Meter hohen Zaun oder eine Mauer, auf dem/der oben zumeist noch Elektro- oder Stacheldraht angebracht ist. Wir alle fühlten uns schnell wohl und fingen an uns an die Besonderheiten hier zu gewöhnen. Unter anderem die, dass man nur mit dem Auto von A nach B kommt, weil Fahrrad fahren zu gefährlich ist, oder, dass beim Einkaufen die Tüten zugeklebt oder -getackert werden, damit man nichts einstecken kann. Und an das Security Personal, das in den Shopping-Malls überall präsent ist. Wenn man länger mit dem Auto unterwegs ist, trifft man kaum andere Autos und hat immer einen Ersatzreifen dabei, denn hier gibt es noch nicht überall Handyempfang und keinen ADAC.

Für Europäer ist hier fast alles billiger abgesehen von Nahrungsmitteln aus Europa, denn man kann hier in den Supermärkten auch europäische Sachen kaufen.

Etwas, das viele Touristen überrascht, ist, dass es Wildtiere, insbesondere Raubkatzen, (fast) nur in eingezäunten Gebieten gibt, also im Etosha Nationalpark oder auf Farmen. Auf den Farmen sieht man meistens viel Wild, am häufigsten Antilopen jeglicher Art. Um zum Farmhaus zu kommen muss man immer aus dem Auto aussteigen um mehrere Tore zu öffnen.

Die Menschen hier leben größtenteils wie wir Europäer außer in den Armenvierteln. An unserem ersten Tag hier ist unser Busfahrer mit uns durch Katutura gefahren, wo die Leute, alle Schwarzafrikaner, teilweise noch in Wellblechhütten leben, dies ist jedoch nur ein kleiner Teil. In Katutura gibt es auch mehrere Aids-Friedhöfe, denn hier sterben pro Tag im Durchschnitt 25 Menschen an Aids. In die Taxis und die Busse, die die Arbeiter holen oder die Leute zu den gewünschten Orten fahren, ist immer Platz für noch eine Person mehr. So kann es vorkommen, dass sich in einen Minibus für acht Leute bis zu 20 Leute reinquetschen.

 

Im Folgenden werde ich etwas über die Schule in Namibia erzählen, es sind alles Informationen von der Delta Secondary School Windhoek (DSSW) die ich während meines Aufenthalts hier besuche. Die Schule hier ist ganz anders als meine Schule in Deutschland, die DSSW hat einen eigenen Schulbanner, eine eigene Schulhymne und ein Schullogo das mehrere Symbole zeigt und die Worte “Wissen, Wirken, Wollen”. Die DSSW ist, wie alle Gebäude, von einem hohen Zaun umgeben. Wenn der Direktor den Schülern etwas mitteilen will macht er dies über das Schulinterne Lautsprechersystem.

Alle Schüler hier tragen eine Schuluniform, inklusive Krawatte, die auch die Mädchen tragen müssen. Schmuck ist nicht erlaubt, Mädchen dürfen höchstens einen kleinen Ohrring pro Ohr tragen. Die Jungs müssen immer ordentlich rasiert zur Schule kommen.

Die DSSW ist eine gemischte Schule für Jungen und Mädchen, schwarze und weiße, denn in Namibia gibt es keine getrennten Schulen mehr.

Die Schule geht von 7:10Uhr bis 13:10Uhr mit einer Pause von 30 Minuten zwischen den Unterrichtsstunden. Eine Schulstunde dauert 40 Minuten und an einem Schultag haben die Schüler acht Stunden, jedoch nie länger als bis 13:10 Uhr. An manchen Tagen ist vor der ersten Stunde Assembly auf dem Schulhof oder in der Aula. Findet sie auf dem Schulhof statt dann müssen sich die einzelnen Klassen ordentlich in einer Reihe aufstellen, zur Verkündung von wichtigen Mitteilungen. Danach gehen die Schüler zu ihren Stunden , denn hier haben die Lehrer ihre eigenen Klassenräume und nicht die Schüler. Das Schuljahr geht hier von Januar bis November oder Dezember. Schüler gehen die ersten acht Jahre in die Primary School und danach bis zur zwölften auf die High School. Während ihrer Schulzeit haben die Schüler sechs bis acht Fächer pro Schuljahr, bei denen sie in der elften und zwölften Klasse wählen müssen, oder von den Lehrern eingestuft werden, zwischen normalem und hohem Anforderungsniveau. In Mathe gibt es zusätzlich “Core” für die, die in den anderen Kursen nicht zurecht kommen.

 

Der Unterricht ist an der DSSW seit ungefähr neun Jahren auf Englisch, vorher wurde auf Deutsch unterrichtet, weil es eine deutsche Schule war. Deswegen können auch fast alle Lehrer an der Schule Deutsch. Wenn ein Schüler in drei Tests durchgefallen ist muss er zum Nachsitzen kommen, musste er dreimal Nachsitzen werden seine Eltern in die Schule bestellt zu einem Gespräch mit den Lehrern.

Schüler die von Farmen kommen leben in Heimen nahe der Schule und kommen nur am Wochenende nach Hause, weswegen es extra “Home Weekends” gibt.

Einmal im Schuljahr wird eine Schülervertretung gewählt, die aus zwölf Schülern besteht, im Idealfall aus sechs Jungen und sechs Mädchen. Aus diesen zwölf Schülern wählen die alte Schülervertretung und die Lehrer Head Girl, Head Boy und Vice Head Girl und Vice Head Boy.

Etwas, das mich sehr schockiert hat ist, dass hier auf vielen Tischen in der Schule Hakenkreuze eingeritzt oder aufgemalt sind.

 

Nun ein wenig über das politische System in Namibia. Namibia ist ein Mehrparteienstaat mit einer Demokratischen Verfassung. Ab 18 darf man für eine der über fünf verschiedenen Parteien wählen gehen. Das Land wird von einem Präsidenten und einem Parlament regiert. Das Parlament hat 72 Sitze in der Nationalversammlung, von denen ein paar an Frauen vergeben sind, zusätzlich werden sechs weitere Mitglieder vom Präsidenten ernannt. Das Parlament hat seinen Sitz in Windhoek, im Tintenpalast. Im Nationalrat, der 2. Kammer des Parlaments sitzen 26 Abgeordnete- zwei aus jeder der 13 Regionen Namibias. Von den über fünf Parteien hat die SWAPO (SouthWestAfricanPeopleOragnisation) seit Jahren die Mehrheit. Momentan hat sie eine 2/3- Mehrheit und könnte somit die Verfassung ändern. Eine andere starke Partei ist die DTA (DeutscheTurnhallenallianz), die hauptsächlich von der weißen Bevölkerung gewählt wird. Die Wahlbeteiligung bei der letzten Wahl in Namibia 2005 war nicht sehr hoch, weil viele Leute der Meinung waren, dass ihre Stimme nicht nützen würde, da die SWAPO ohnehin die Mehrheit der Stimmen haben würde.

Namibia ist seit dem 21. März 1990 unabhängig. Der erste Präsident nach der Unabhängigkeitserklärung war Dr. Sam Nujoma. Der Präsident wird für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt und darf zweimal wiedergewählt werden. Dr Sam Nujoma, der als Vater der Nation gilt, war 15 Jahre Präsident. Im Jahr 2005 wurde Hifikepunye Pohamba als neuer Präsident gewählt und Sam Nujoma somit abgewählt.

 

Alles in allem ist Namibia ein sehr spannendes Land, in dem es viel neues und schönes zu sehen gibt, so wie Geparden hautnah in einem 50 Hektar großen Gehege zu erleben. Ich würde jedem der die Möglichkeit hat hierher zukommen empfehlen dies zu tun. Ich persönlich finde es schade das ich insgesamt nur knapp zwei Monate hier bin, ich überlege jetzt schon wann ich wieder herfahren kann. Um alles zu sehen muss man viel Zeit und vor allem viel Platz für Fotos mitbringen.

 

Von Rebecca Freudenberg und Annette Seifart