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Juni 2006

Anlässlich der Festveranstaltung „115 Jahre SPD Bovenden“ am 21.4.2006 hatten die Bovender Sozialdemokraten Hans-Jochen Vogel als Festredner geladen. Nachdem die Veranstaltung letztes Jahr aufgrund des Bundestagswahlkampfes verschoben werden musste, war es nun Zeit, die geplante Feier in die Tat umzusetzen.
Vor der Festveranstaltung stand ein Besuchsprogramm in Hans-Jochen Vogels Geburtstag Göttingen auf dem Programm. Am 3. Februar 1926 erblickte er hier das Licht der Welt. Nach einigen Presseterminen ging es für ihn unter Begleitung des Ortsvereinsvorsitzenden Thorsten Heinze zur Feierstunde in das Bovender Bürgerhaus. Neben Grußworten, unter anderem vom Landesvorsitzenden Garrelt Duin und vom SPD Urgestein Klaus-Peter Bruns, schritt Hans-Jochen Vogel zum Rednerpult. In seiner mitreißenden, gut einstündigen Festrede ging er in gewohnter Detailsicherheit und Klarheit auf die Historie des Ortsvereins ein und rief zu einer Rückbesinnung auf die Sozialdemokratische Geschichte auf. Nur wer wisse, wo seine Wurzeln lägen und woher er komme, könne die Gegenwart meistern und die Zukunft bewältigen. So habe der Ortsverein nicht nur in all den Jahrzehnten durchweg gute Wahlergebnisse vorzuweisen, sondern habe auch maßgeblichen Anteil daran gehabt, dass Bovenden als Gemeinde heute sehr gut dar stehe.
Weiterhin würdigte Hans-Jochen Vogel die Rolle von Wilhelm Lechte, der an der Gründung des SPD Wahlvereins 1890 an vorderster Stelle mitwirkte. Aufgrund des Tabakanbaus in der Region hatten Arbeiter der ansässigen Zigarrenfabrik und aus der Landwirtschaft 1882 einen Männergesangsverein gegründet, der zu Zeiten des Sozialistengesetzes eine sozialdemokratische Tarnorganisation bildete. Ein Arbeiter las zudem während der Arbeit in der Zigarrenfabrik gegen Anrechnung seiner Arbeitszeit auf die der übrigen Kollegen aus politischen Schriften vor. Das sorgte wohl mit dafür, dass direkt nach Auslaufen der Sozialistengesetze eine Versammlung von über 280 Menschen zur Gründung des Wahlvereins führte.
Das Hans-Jochen Vogel nach all den Jahren immer noch zu überzeugen weiß, das stellte er in Bovenden unter Beweis. Mit seiner lebensechten, authentischen Art ging Hans-Jochen Vogel auch auf die aktuelle politische Situation ein. Nach Platzecks Rücktritt, den er vollauf respektiert habe, benötige die SPD nun wieder Kontinuität an der Parteispitze. Kurt Beck sei dafür mehr als nur geeignet. Des Weiteren müsse die SPD bei ihrer Suche nach einem neuen Grundsatzprogramm eine Vision für eine gerechte Weltordnung finden, die auf den drei Grundwerten der Partei – Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität – aufbaue.
Mit der Aufforderung an die Bovender Genossinnen und Genossen, ihrer eigenen Geschichte alle Ehre zu machen, beschloss Hans-Jochen Vogel seinen Festvortrag. Nach kurzem Umtrunk, etlichen Fotos und Autogrammen ging es dann zum Abendessen in das Göttinger Gauss-Restaurant – das unmittelbar an sein Geburtshaus angrenzt.
Navid Lodhia 
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