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Juni 2006

Berlin, unser aller Hauptstadt, eine Stadt, die niemals schläft, die sich kontinuierlich weiterentwickelt, die am Puls der Zeit liegt. Diese Worte sind sicher dem ein oder anderen Reiseführer zu entnehmen. Dennoch, ich wollte nun einmal einen anderen Blick auf diese Metropole werfen und sie nicht nur der tollen Geschäfte wegen besuchen, sondern wegen ihrer Geschichte und natürlich wegen ihrer Politik.

Sonntag, acht Uhr vierzig am Infoschalter des Göttinger Bahnhofs: Meiner Meinung nach keine normale Uhrzeit um an einem Sonntag irgendetwas zu machen, aber für Berlin machte ich hier eine Ausnahme. Nach und nach trudelten die Teilnehmer der Fahrt ein und bald war der Platz vor dem Eingang dicht bevölkert mit SPDlern und ihrem Gepäck. Es konnte losgehen und nachdem alle Zugtickets verteilt waren begaben wir uns zum Gleis. Der Zug, ein ICE, brauchte nicht besonders lange nach Berlin, gefühlte zwei Stunden. Um halb elf trafen wir im Berliner Bahnhof Zoo ein. Draußen wartete schon ein Reisebus auf uns. Das erste Berlingefühl: laut und kalt. Doch das sollte sich zum Glück schnell ändern, denn mit dem Bus ging es nun zunächst einmal zu einem Restaurant nahe der Friedrichstraße. Hier konnten wir etwas essen, einfach mal reden (ich fing erst mal an Namen zu lernen) und ein wenig relaxen, bevor es schon mit dem ersten Programmpunkt auf der Liste losging, einer Tour durch die Stadt. Neben bekannten Dingen, wie zum Beispiel dem Brandenburger Tor oder auch dem Bundestag, bekamen wir auch einen kleinen Einblick in das Berliner Alltagsleben.

Mit von der Partie war natürlich auch Thomas Oppermann unser Gastgeber, er hatte allerdings noch wichtige Termine in Göttingen und konnte deswegen leider nicht die gesamte Tour mitmachen.

Drei Stunden später war dieser erste Programmpunkt abgeschlossen und ich erst mal mit Informationen absolut gesättigt. Pause? Nun ja, wie man’s nimmt. Zunächst einmal fuhr die Gruppe jetzt zum Hotel und nach einem umfangreichen Check In und lang andauernder Zimmerverteilung konnten wir uns tatsächlich ausruhen, bevor es Zeit zum Abendessen war. Ein wahrlich fürstliches Dinner, bei dem es uns an nichts fehlte erwartete uns. An dem Abend wurde in kleineren Gruppen selbstverständlich noch das Berliner Nightlife „abgecheckt“.

Am nächsten Morgen begann für uns der Tag mit einem Frühstück im Hotel, wobei Frühstück hier wörtlich zu nehmen ist, da die meisten abends noch mehr oder weniger lange unterwegs waren blickte ich demnach in eher verschlafene Gesichter. Trotzdem waren wir alle pünktlich um 9.30 Uhr am Bundestag zur Sicherheitsprüfung. Mit dem Fahrstuhl ging es dann nach oben zu den Garderoben und zum Sitzungssaal, wo wir uns auf die Besuchertribünen begaben. Dort lauschten wir einem Vortrag über die Geschichte und den Verwendungszweck des Reichstags, vom Reichstagsbrand, bis zum Umzug nach Bonn, war hier alles dabei, sogar die Größe des Adlers erfuhren wir, über 10 Quadratmeter!

Leider war die Kuppel pünktlich zu unserer Ankunft in Berlin wegen Reinigungsarbeiten geschlossen worden, sodass wir nur von der Dachterrasse aus einen Blick auf die Metropole werfen konnten, hier entstand zudem noch ein schönes Foto der Gruppe.

Gestärkt durch ein kurzes Mittagessen in Berlin Tiergarten kamen wir am frühen Nachmittag an der Open Air Ausstellung „Topographie des Terrors“ an. In kleinen Gruppen bekamen wir je einen Führer zur Seite gestellt, der uns durch die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse des dritten Reichs führte und uns auf eindrucksvolle Weise die unvorstellbaren Ausmaße des Naziterrors in Berlin schilderte. Direkt im Anschluss an die Führung besichtigten wir auch noch das Centrum Judaicum, eine Ausstellung, die sich in einer im zweiten Weltkrieg leider größtenteils zerstörten Synagoge befindet und ihre Geschichte präsentiert.

Am Abend wurden natürlich wieder die Kneipen- und Barbesitzer bereichert.

Mit entsprechend viel Kaffee starteten die meisten in den letzten Morgen der Berlinfahrt. Nach dem Check-Out aus dem Hotel begaben wir uns zur Gedenkstätte „Deutscher Widerstand“. Auch wenn unser Führer weder vom Geschichtsunterricht in der Schule noch vom generellen Wissen der Jugend viel zu halten schien und er sich immer auf dem schmalen Grad zwischen Genie und Wahnsinn bewegte, bekam man einen recht guten Eindruck über die Organisation der Widerstandsbewegung um Graf von Stauffenberg.

Den letzten Programmpunkt, das Verkehrsministerium, tauschten einige gegen einen Besuch in der Ausstellung „Melancholie“ ein, die gerade in Berlin stattfand. Hier gab es nicht nur Bilder zum Betrachten sondern auch bizarre Instrumente und Skulpturen.

Nach diesem umfangreichen Programm konnte wir uns - um einiges Wissen reicher - wieder auf den Weg nach Göttingen machen.

Alles in allem war es eine informative, lustige und sehr interessante Fahrt, die ich jedem nur empfehlen kann.

 

Mona Klatt