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März 2006

Kinofilm „Saw 2“
Genre: Horrorfilm
Humor: 0
Spannung: 2
Action: 2
Liebe: 0
Idee: 4
(Noten von 1 (sehr gut) bis 6 (unbefriedigend), 0 (keine Bewertung))
Ein Mann öffnet die Augen und findet sich in einem verschlossenem Raum wieder. Um seinen Hals ist eine Gesichtsmaske mit spitzen Stacheln gelegt. Ein Videofilm begrüßt ihn zum „Spiel“ und erklärt, dass sich die Maske schließen würde, wenn er nicht rechtzeitig den Schlüssel finde. Der Schlüssel ist jedoch gut versteckt. Nicht nur erfahrene „Saw-Fans“ erahnen dass das blutig angeschwollene Auge damit etwas zu tun haben könnte ...
Der Horrorfilm „Saw 2“ ist eine gelungene Fortsetzung des ersten Teils. Wer allerdings schon den ersten Film gesehen hat, dem wird die Handlung des Nachfolgers wenig Überraschendes zu bieten haben. Die Handlung des Films ist dementsprechend auch schnell erzählt: Ein unheilbar krebskranker Mann hat nach einem missglückten Selbstmordversuch das Leben (wieder) schätzen gelernt. Nun möchte er all’ diejenigen, die mit ihrem Leben fahrlässig umgehen oder eine kriminelle Laufbahn eingeschlagen haben, mit einem „Spiel“ zu einer bewussteren Lebensweise zwingen. In diesem Spiel geht es um Leben oder Tod. Ziel des Psychopaten ist es, den menschlichen Erhaltungstrieb – als ureigensten Instinkt – bei seinen Opfern (wieder-) zu erwecken. In „Saw 2“ sind es 7 Menschen, die in einem Haus eingeschlossen sind, das zahlreiche Fallen für sie bereit hält. Zudem müssen sie innerhalb von 2 Stunden ein Gegenmittel für das in die Räume einströmende Giftgas finden, um zu überleben. Der Hauptdarsteller des Films ist ein „knochenharter“ Cop, dessen Sohn sich unter den 7 Menschen im Haus befindet. Die 6 Anderen haben alle eine kriminelle Vergangenheit. Zusätzliche Brisanz birgt der Umstand, dass alle 6 aufgrund von gefälschten „Beweisen“ eingelocht wurden, die von dem ermittelnden Cop vorgenommen wurden.
„Saw 2“ ist ein Film mit viel Action und Spannung. Alle anderen Ansprüche an den Film sollte man vor dem Kinogang allerdings zurückschrauben. Der Versuch des Regisseurs, den Psychopaten menschlich darzustellen und die Intension seines Handelns für das Publikum nachvollziehbar zu machen, misslingt. Positiv anzusehen ist, dass alle Akteure, welche Probleme mit Gewalt versuchen zu lösen – Cop gegen Psychopat oder Draufgänger gegen alle im Haus – letztlich scheitern. Bedauerlicherweise wird das dem Publikum des Films jedoch kaum auffallen. Die schnell aufeinanderfolgenden Szenen und die übertriebene hektische Action machen den Zuschauer regelrecht „betrunken“. Nach mittlerweile 20 Jahren dieser Art der Verfilmung sollten diese sequenzenreichen Bilder einem durchdachteren Konzept endlich weichen. Die schärfste Kritik muss der Film allerdings bei seiner inhaltlichen Grundaussage erhalten. Zum einen wird die „alte Leier“ von der Rückbesinnung der Menschen auf ihre Urinstinkte wieder ausgepackt. „Saw 2“ zeigt unmissverständlich, dass in der größten Not nur der Stärkere (der mit dem größten Überlebenswillen) in Konkurrenz zu Menschen, die sich in der gleichen Situation befinden, gewinnen kann. Nach dem Motto: Seht her, liebe Amerikaner! Ob an der Börse, auf dem Markt oder in den Klauen eines Psychopaten, ihr müsst euch gegen die anderen durchsetzen, wenn ihr überleben wollt. So verwundert es auch nicht, dass die meisten der „Opfer“ scheitern. Nachdem drei Sätze untereinander gewechselt wurden, werden alle zu vereinzelten Einzelnen, die sofort zur Waffe greifen. Diesen Umstand zeigt der Film allerdings sehr gut! Wahrscheinlich würde ein großer Teil der Menschen aktuell wirklich so handeln. Im Gegensatz zu dieser Gesellschaftsanalyse leistet der Film keine Gesellschaftskritik. Grundaussage: Da hocken in einem Haus voller Fallen und einströmendem Giftgas 7 Menschen mit verschiedenen Eigenschaften, die sie von Natur aus besitzen. Der eine ist ein Draufgänger, der andere ist hinterlistig und die dritte ist eine Schlampe – alle von Geburt an! Als Zuschauer darf man nun dabei beobachten, welcher der Protagonisten nun die naturgegebene Eigenschaft besitzt, die das eigene Überleben sichert. Das schlagkräftigste Argument ist schließlich immer noch die Keule von hinten!
„Saw 2“ verzichtet fatalerweise auf die Hintegrundgeschichten der beteiligten Menschen, die im ersten Teil noch von so großer Bedeutung waren, auf Kosten von mehr Action. Dieser Lebenshintergrund, der durch das miteinander unterhalten der Akteure für den Zuschauer erfahrbar hätte gemacht werden können, wäre wichtig gewesen, um die Handlungen der Menschen in dem Haus zu erklären. Durch den Verzicht auf die Erläuterung der gesellschaftlichen Umstände, sieht es nun wieder so aus, als ob der Draufgänger von Natur aus böse wäre.
„Saw 2“ ist ein Film für alle, die viel Wert auf Unterhaltung legen und actiongeladene Horrorfilme mögen.
Matthias Ammer

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