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März 2006

Ob Hunde singen?
Konzertbesuch bei Olli Schulz und dem Hund Marie
Das im Jahr 2003 veröffentliche Debütalbum der Band Olli Schulz und der Hund Marie „Brichst Du mir das Herz, dann brech ich Dir die Beine“ glimmte hierzulande bei den musikalischen Neuveröffentlichungen auf. Prunklose Songs in deutscher Sprache arrangiert, schwingen zwischen Gitarrenpop und Liedermacherland. Fachkräfte aus der Musikerszene meinen hinzu in einem guten handwerksmäßigen Stil. Können die vier ersten famosen Songs auf dem Silberling sich mit Hymnen wie „Universal Tellerwäscher“ von den Sternen oder „Landungsbrücken raus“ von Kettcar messen, blieb es im Ganzen beim Status eines Geheimtipps. Radiotauglich sind die Lebens- und Alltagbeobachtungen des Sängers und Texters Oliver Marc Schulz durchaus. Rutschen rasch durch Gehörgänge, Hooklines kriechen durch die Ohrmuscheln, bleiben kleben und im Hintergrund drücken dynamisch Begleitinstrumente Gitarre, Keyboard, Schlagzeug und Banjo u.a. von der zweiten Bandhälfte Max Schroeder. Das Nachfolgealbum 2005 in einer beständig geschmackvollen CD-Verpackung und Beipackzettel, erneut in Kooperation mit dem Hamburger Label Grand Hotel van Cleef entstanden, wirkte etwas spartanischer, geschmälerter im voluminösen Klangteppich. Wie Bruce Springteen sich beim Nebraska Album auf einen kargen Aufnahmestil festlegte, kam es im März 2005 bei den zehntägigen Aufnahmen in Oldsum auf der Insel Föhr um „das beige Album“ dem Anschein nach zu einer stimmungsreichen Rückkopplung. Etwas Countrylastig- gegen den Strich gebürstet, musizierten die Autodidakten Olli Schulz und Max Schroeder im Song „die Ankunft der Marsianer“ von der Überstrapazierung und Gefallen nach Extravagantem. Wuchteten, wie bereits beim Vorgänger, Songs auf die Compact Disk, die Geschehnisse der Generation (ohne) Golf zur Jahrtausendwende durchschimmern lassen. Kritisch steht der Künstler Olli Schulz der spärlich präsenten staatlichen Musikförderung gegenüber, auf Rote Grütze Anfrage, meint er, „grundsätzlich gibt es keine staatliche Förderung für Nachwuchsmusiker wie zum Beispiel in Skandinavien oder Kanada. Das ist schlecht. Außerdem gibt es keine wirkliche Anerkennung für Musiker in Deutschland. Das liegt wohl auch daran, dass hier soviel Schrott wie Eurobeat und Superstarkacke produziert wird. Selbst Schuld, jedes Land hört die Musik, die es verdient“.
Als Zivildienstleistender nutzte der Hamburger Reimschmied nebenbei die Zeit, um möglichst im Musikumfeld zu tun zu haben, Ordner und Bühnenaufbauhelfer eine sogenannte „Stagehand“ zu sein. Gerne erzählt der Musiker, der als musikalische Helden Jeff Tweedy und Will Oldham nennt, bei seinen Auftritten pointenreich und vollem Gestus aus dieser Zeitperiode. Wie ihm zum Beispiel der volltrunkene Sänger der Lemonheads bei einem Konzert auf den Kopf plumpste.
Nun reisten Olli Schulz und der Hund Marie am 18. Februar nach Hannoversch Münden, die dort etablierte Konzertstätte und Kulturoase Kurbelkasten lud zum 14. Geburtstag. Die Vorband „Home of the lame“ klangen nach den frühen Fury in the Slaughterhouse, als die noch in der hannoverschen Glocksee aufspielten. Der Sänger schloss jedoch unbeirrt die Augenlider, was selbst in der südniedersächsischen Provinz mit einer „Stromausfall-Show“ tituliert und abgestraft wird. Zum Hauptakt war der ehemalige Kinosaal Kurbelkasten angenehm angefüllt. Für Livekonzerte aufgestockt mit Andrè Frahm und Dennis Becker zur typischen Viererbesetzung, spielten Akteure des Nothern Soul gutgelaunt von den zwei Olli-Platten und einigen neuen Liedern. Erhöhten die Laune in einer frostigen Nacht zwischen Samstag und Sonntag: Verknoteten die Songs mit amüsanten Showeinlagen zum Powerplay zusammen, fern jedem artifiziellen Gehabe. Gaben für die Zuschauer(Innen) tatendurstig Dosen von Zugaben, um von einer zufriedenen Masse nach mehr als zwei Stunden für den in der nächsten Woche anliegende ersten Thailandurlaub entlassen zu werden. Olli Schulz und der Hund Marie machen Musik hörbar, die lokalisierbar ist, jenseits vom kurzweiligen und süßschmierigen Geschmackserlebnis eines Kaugummistreifen. Für andere wird es garantiert vorkommen wie die bunteste Wrackansammlung Norddeutschlands, solche Leute sollten die Musik geschwind vergessen.
Olli Schulz und der Hund Marie
Brichst Du mir das Herz, dann brech ich Dir die Beine
Grand Hotel van Cleef/ 009
Das beige Album
GHvC/ P&C 2005
Olli Schulz Solo auf Tournee im März und April 2006
30.03. Berlin- Knaack
31.03. Dresden- Star Club
01.04. Erlangen- E-Werk
02.04. Wien (A)- B72
05.04. Düsseldorf- Zakk
06.04. Münster- Gleis 22
07.04. Hamburg- Übel und Gefährlich
08.04. Hannover- Musikzentrum
www.olli-schulz-online.de
Heiko Nitzschke 20.2.2006

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