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Februar 2006

Gelesene Musik – oder was man aus einem Buch über Jazz erfahren kann
Wie trällerte bereits der Sänger und Pianist Billy Joel „you can't get the sound from a cover of a magazin”. Klar wird es schwierig den Klang von der Titelseite eines Musikblattes abzukratzen und sich in den Gehörgang zu stopfen. Genüsslich lassen sich Beurteilungen lesen, da schwärmt qualitativ jemand mit Sachverstand über irgendeine ideenreiche Neuveröffentlichung. Das Probehören dann an der CD-Theke im Handel oder zu Hause weckt ab und an Zwiespalt, ob der richtige Tonträger eingelegt wurde. Die zuvor angespitzten Ohrlappen hängen durch und verwelken, Verbitterung keimt auf. Bei der vorliegenden Publikation des Reclam Verlags soll eben alles anders sein. Zwischen den bekannten quietschgelben Pappumschlag wurden die 236 Seiten eingeleimt. Obschon schlichte Reclamhefte- Universal Bibliothek aus der zurückliegenden Schulzeit bekannt sein dürften, verblüfft es einen modernen Titel wie Basis-Diskothek Jazz aufgedruckt zu lesen. 1867 gründete der Verleger Anton Philipp Reclam die Universal Bibliothek. Die Reihe sollte der Bevölkerung einen Fundus klassischer Literatur erschwinglich machen und Wissen, das Macht sei wie damals viele hofften unter das Volk zu mischen. An der Fortführung dieser Reihe wird permanent gearbeitet, versprachen die Verantwortlichen bereits zu Zeiten des 19.Jahrhunderts. Ein aktuelles Werk dieser Fortschreibung verfasste ein Kritiker der Süddeutschen Zeitung Ralf Dombrowski. Ein Mann mit Renommee in der Musikszene, Passion für diese Musikrichtung und ohne pastöse Ausschweifungen im Duktus. Im Brennpunkt stehen für den Autor 120 Alben, die eine zentrale Funktion in der Historie erfüllen, für die Musiker das jeweilige Schaffensrepertoire repräsentieren oder exemplarischen Charakter offenbaren. Schon im Vorwort erwähnt der Kritiker und Germanist die Schwierigkeiten das Sortiment auf ein begrenztes Spektrum einzudampfen. Sofern Musikkünstler mit ihren Werken unbeachtet bleiben, zählt Dombrowski Besetzungen auf, gibt Querverweise, entwirrt musikalische Seitenlinien, zeigt Einflüsse und nennt Labels. Sinnvoll ergänzend findet der Leser am Ende neben Namensregister der Musiker ein Titelverzeichnis nach dem Jahr der Erstaufnahme. Die Texte sind zwar kurzweilig, nichtsdestotrotz überzeugen die Anmerkungen: Die Leserschaft bekommt einen Batzen von Ansichten, quasi befindet sich der Leser auf einer Schnellstraße. Alphabetisch geordnet von Abercrombie bis Zorn in einer Zeitperiode von 1923- 2002 erfolgt eine historisch-kulturelle Einordnung in einem informativen und sprudelnden Schreibstil: Die einzelnen Texte über die Meisterwerke lesen sich in einem Tempo, der der Zubereitung einer Tütensuppe gleicht. So bekommen die Leser nebenbei serviert, daß ein Begründer des skandinavischen Cool Jazz Jan Johansson als Fernsehkomponist agierte und das Thema zur Serie „Pippi Langstrumpf“ schuf. Wissenswertes über junge und alte Jazzer werden angesammelt, vorhandene Kenntnisse verdichten sich und der Appetit bislang unbekannte Aufnahmen in angemessener Akustikqualität zu hören, hallo Herzkammer, wachsen bei einen solchen Lesestoff. Wer bei Jazz-Musik nicht ehrfürchtig und erethisch auf mattes Ergrauen der Schläfen lauert, sondern eher Sterne knirschen hört und 5 € übrig hat, macht nichts beim Erwerb der Ausgabe falsch.
Heiko Nitzschke
12.1.2006
Ralf Dombrowski
Basis-Diskothek Jazz
Verlag Philipp Reclam jun.
5 €
Stuttgart 2005
236 Seiten mit Register

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