|
September 2005

Merkel in Göttingen – strahlende Zukunft für Deutschland
Es ist Donnerstag, der 08.09.2005, und es ist so ein schöner Tag in Göttingen. Die Bewohner sind entweder auf der Arbeit, in der Stadt oder im Freibad. In aller Munde ist jedoch eins: Angela Merkel ist zu Gast bei der Sendung „Wahlarena 2005“, einem NDR/WDR Polittalk in der Lokhalle, um sich den Fragen eines willkürlich zusammengewürfelten Publikums zu stellen, jedoch will niemand etwas dagegen unternehmen oder wenigstens Präsenz zeigen. Moment mal, wirklich niemand?
Eine Gruppe von unbeugsamen Jusos machte sich nun mit ihren erkennbar roten T-Shirts, ihren Strahlenschutzanzügen, Anti-Atom Flyern und -Plakaten auf den Weg vor die Lokhalle. Dort angekommen, empfing uns mit wenig Begeisterung ein Herr Fischer, der sichtlich überrascht schien, der aber gute Miene zum bösen Spiel machte. Nun denn, unternehmen konnte er nichts und somit begannen wir uns mit unserer Ausrüstung zu postieren und verteilten unsere Flyer. Einzelpersonen verliehen anhand von Plakaten mit der Aufschrift CDU- Nein! ihrem Entsetzen Ausdruck. Erstaunlich war, dass die Jusos die einzige Gruppierung war, die sich genötigt sah, etwas zu unternehmen. Und ebenso erstaunlich war, dass unsere Aktion vor der Lokhalle Beifall fand.
Vor der Lokhalle stand eine Hundertschaft von Polizisten, die uns während des mühsamen Wartezeit von eineinhalb Stunden mit netten Geschichten, Infos und Späßen die Zeit vertrieben, die selber aber froh waren, wenn sie endlich nach Hause fahren durften.
Nun kam auch endlich Angie in zwei schwarzen Limousinen. Panik machte sich breit: Die Sicherheitskräfte wurden sichtlich nervöser und sperrten das Gebiet hinter der Lokhalle weiträumig ab, das hinderte uns jedoch nicht daran, uns ganz in der Nähe mit unseren Postern und Strahlenschutzanzügen zu postieren.
So lässig wie Angie wirken wollte, ließ sie sich auf einen kleinen Plausch mit den Sicherheitskräften ein und kam nicht drumherum, uns zu bemerken. Sichtlich amüsiert schien sie nicht, aber das war auch nicht Sinn und Zweck dieser Aktion. So schnell wie sie gekommen war, begab sie sich wieder in die Lokhalle. Sichtlich erschöpft, brauchten wir alle nach dem Anblick Merkels ein Bier.
Hartnäckig, wie wir waren, verabschiedeten wir Angela noch gebührend, indem wir unsere Plakate an die Beifahrertür der schwarzen Limousine hielten als diese an einer roten Ampel halten musste. Dort saß sie mit fahlem Gesicht, tiefen Falten, in sich versunken alleine auf der Rückbank… Welch ein viel sagendes Bild - ähnlich einer Karikatur von sich selbst.
Tamer Özkömec und Marcel Riethig

|
|