Juli 2005

Ein freundschaftlicher Klassiker – Die rote Zora und ihre Bande
Es mag manch einen wundern, dass ausgerechnet ein Jugendbuch vorgestellt werden soll. Doch soll es heute einmal etwas leichtes, nettes zu lesen geben, wo uns doch wahlkampftechnisch eine nicht ganz einfache Zeit bevor steht. Zudem richtet sich das Buch nach der Altersangabe des Verlages, an alle Leser ab 12 Jahre, was höhere Semester ja nicht ausschließt. Auch diese können mit der roten Zora noch etwas über Freundschaft und etwas, das sich Solidarität nennt, lernen. Für manchen im politische Geschehen ein Buch, das er oder sie sich ein mal zu Gemüte führen sollte. Manch anderen hilft es vielleicht, sich wieder auf die Grundwerte zu besinnen und eine kämpferische Zeit zu überstehen. Ansonsten ist das Buch einfach schön zu lesen, entführt es doch in die kroatische Stadt Senj und eine wunderschöne Landschaft, die etwas abenteuerliches, aber auch ruhiges hat.
Aber worum geht es eigentlich?
Es geht um Branko, der nach dem Tod seiner Mutter alleine ist. Sein Vater ist in der Weltgeschichte verschollen, seine Großmutter und auch sonst niemand kann oder will ihn aufnehmen. Als er verhaftet wird, macht Branko Bekanntschaft mit der roten Zora, dem mutigsten aller Mädchen mit den feuerroten Haaren. Sie befreit ihn aus dem Gefängnis und nimmt ihn in ihre Bande auf, zu der noch Pavle, Nicola und Duro gehören – alles elternlose Kinder.
In Duro findet Branko seinen ärgsten Rivalen, gegen den er sich immer wieder behaupten muss, um zum ersten in die Bande aufgenommen zu werden und dann, um dort ein einigermaßen angenehmes Leben zu haben.
Die Bande selbst bezeichnet sich als Uskoken, die im 15./16. Jahrhundert in Senj lebten. Genau wie die Uskoken, hausen die Kinder in der Burg Nehaj und schlagen sich durch das Leben. Dabei versuchen sie sich durch Diebstähle zu ernähren. Mit Streichen und Prügeleien versuchen sie ihren Freunden und sich selbst zu helfen, merken aber nicht, dass sie dadurch vieles noch viel schlimmer machen, bis sie von der ganzen Stadt gesucht werden. Unerwartete Hilfe erhalten sie vom Bäcker, der ihnen das Brot vom Vortag, aber auch frisches überlässt, und vom alten Fischer Gorian, dem sie erst ein Huhn stehlen und sich dann mit ihm anfreunden. Er ist es auch, der sich am Ende in einer emotionalen Rede für die Kinder einsetzt und den Erwachsenen ihre eigenen Fehler vorführt. Hält er ihnen doch vor, dass aus den Kindern nichts werden kann, wenn sich niemand um sie kümmert und sie auf sich alleine gestellt sind. Bis dahin geht es um Freundschaft, die erste Liebe, Rivalität und den kreativen Überlebenskampf.
Der Autor Kurt Held wurde 1897 als Kurt Kläber in Jena geboren. Die Geschichte der roten Zora beruht auf einer wahren Begebenheit. Auf einer Reise durch Jugoslawien vor dem Zweiten Weltkrieg lernt Kurt Held Zora La Rouquine und ihre Bande kennen. Sie verewigt er in seinem ersten Kinder- und Jugendbuch, dass 1941 zum ersten Mal erschien.
Als Mitglied der KPD und des Spartakusbundes stand für Kurt Held immer der Kampf für Gerechtigkeit im Sinne der kommunistischen Idee im Vordergrund. Für viele war er der „Berufsrevolutionär für die Gerechtigkeit“, was auch in der roten Zora durchscheint, wenn es um die Übernahme der kleinen Fischer durch eine große Fischgesellschaft geht.
Seine ersten Schritte als Schriftsteller machte er denn auch mit Lyrik und Romanen, die der Arbeiterdichtung zu geschrieben werden. Er wurde zum führenden Vertreter der kommunistischen Literaturbewegung und zum Gründungsmitglied des Bundes Proletarisch-Revolutionärer Schriftsteller.
In seinen Kinderbüchern, die er anfing im Exil zu schreiben, zeigt Kurt Held die Kinder als Leittragende des bestehenden Systems. Das war damals so, und lässt sich genauso auf die heutige Zeit übertragen. Uns so ist auch die Rede des Fischers Gorian zu verstehen.
Dabei lässt Kurt Held keinesfalls du bloße Moralkeule schwingen, sondern liefert einen Abenteuerroman, den Jung und Alt – eben alle ab 12 – lesen können.
Nicht umsonst zählt die „Rote Zora“ mit ihrer Bande zu den Jugendbuchklassikern.
Eine ausführliche Biographie von Kurt Held gibt es unter www.mdr.de/geschichte/personen/132251.html.
Eine aktuelle Ausgabe der Roten Zora und ihrer Bande gibt es bei Carlsen.
Kurt Held
Die rote Zora und ihre Bande
ISBN 3-551-37110-5
Carlsen Verlag
Heike Boldt 
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