April 2005

„Widerstehen aus der Macht des Geistes"
„Sophie Scholl - die letzten Tage"
Eine Rezension über einen Film zu schreiben, der auf historischen Begebenheiten und Berichten von Zeitzeugen beruht, ohne gänzlich die Geschichte ausblenden zu wollen, erscheint unmöglich und doch werden wir uns hier vornehmlich der Filmhandlung widmen.
Einsetzen tut diese im München kurz nach dem Fall Stalingrads 1943. Die 21 jährige Sophie und ihr 2 Jahre älterer Bruder Hans Scholl sind Mitglieder der „Weißen Rose", einer aus Studenten bestehenden Widerstandsgruppe gegen das herrschende Nazi-Regime. Durch Verfassen von regimekritischen Flugblättern, welche per Post an zahlreiche Haushalte des süddeutschen Raumes versendet werden, fordern sie die deutsche Gesellschaft auf, dem nationalsozialistischen Terror nicht tatenlos zuzusehen, sondern aktiv Widerstand zu leisten.
Beseelt von der Idee den Widerstand gegen das herrschende Böse dort aufzunehmen, wo es am Mächtigsten ist, legen beide am 18. Februar Flugblätter in der Münchner Universität aus, werden dabei entdeckt und von der herbeigerufenen Gestapo inhaftiert.
Während ihrer 5tägigen Inhaftierung bis zur Vollstreckung der vom Volksgerichtshof unter seinem berüchtigten Präsidenten Freisler erlassenen Todesurteile, beschäftigt sich der Film ausschließlich mit der Person der gerade mal volljährigen Sophie Scholl (erstklassig von Julia Jentsch - bekannt aus dem Kinofilm „Die Fetten Jahre Sind Vorbei" - gespielt). Eindringlich und in einer erschreckenden Authentizität wird ihr Kampf um Selbstachtung, der Treue zu Ihren Idealen und dem selbstlosen Willen, die weiteren Mitglieder der Weißen Rose nicht verraten zu wollen, beschrieben.
Außergewöhnlich und gar übermenschlich erscheint diese auf Tatsachen beruhende Standhaftigkeit einer 21 jährigen. Obwohl das ganze Leben noch vor sich, entschließt sich Sophie - in Erkenntnis der folgenden Konsequenzen - ihrer zutiefst christlich geprägten Wertvorstellung von Wahrhaftigkeit und Nächstenliebe treu zu bleiben und ihr Leben selbstlos den Ideen der Weißen Rose zu opfern.
Gerade auch die Filmszenen des Volksgerichtshofes unter Freisler (lautstark in Szene gesetzt von André Hennicke) macht dem Zuschauer bewusst mit welcher intoleranten Brutalität der Nationalsozialismus junge Menschen für das Verfassen von lediglich regimekritischen Flugblättern töten ließ.
Eine nur schwer zu beschreibende Kälte und Verschlossenheit, angefangen von der Person des Gestapo-Inspekteurs Mohr, umgibt die gesamte Filmszenerie und doch hat auch dieser Film seinen versteckten emotionalen Höhepunkt.
In den letzten Stunden vor ihrer Hinrichtung berichtet Sophie ihrer Mitgefangenen, noch auf ihrem Lager sitzend, ihren Traum: „Ich trug an einem sonnigen Tag ein Kind in langem, weißen Kleid zur Taufe. Der Weg zur Kirche führte einen steilen Berg hinauf. Aber fest und sicher trug ich das Kind in meinen Armen. Da plötzlich war vor mir eine Gletscherspalte. Ich hatte gerade noch soviel Zeit, das Kind sicher auf der anderen Seite niederzulegen - dann stürzte ich in die Tiefe". Sie versucht ihrer Mitgefangenen gleich den Traum zu erklären: „Das Kind ist unsere Idee, sie wird sich trotz aller Hindernisse durchsetzen. Wir durften Wegbereiter sein, müssen aber zuvor für sie sterben."
Alles in Allem ein fantastischer Film und trotz der bisher um die Weiße Rose und Sophie Scholl bereits gedrehten Werke („Die Weiße Rose" sowie „Die Fünf Letzten Tage" (1982)), der bisher Beste über diese Gruppe und Person.
In seiner Dramaturgie unterstreicht „Sophie Scholl - Die Letzten Fünf Tage" klar und unmissverständlich die Lehre für uns junge Menschen, welche wir in einer freiheitlichen Gesellschaft aufgewachsen sind:
„Jung zu sein war und bleibt keine Entschuldigung!"
Sophie Scholl - Die letzten Tage
Deutschland, 2005
Regie: Marc Rothemund
Darsteller: Julia Jentsch, Fabian Hinrichs, Alexander Held, André Hennicke, Johanna Gastdorf
Christos Pantazis und Heike Boldt 
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