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21.12.2004


Politische Kommunikation und ihre Geschichte

 

Frevert und Braungart haben mit dem Buch "Sprache des Politischen- Medien und Medialität in der Geschichte" für Fachkreise eine solide Aufsatzsammlung zusammengetragen. Die VerfasserInnen von den insgesamt elf Beiträgen machen es sich zur Aufgabe den Kontext zwischen diversen Medien und Öffentlichkeit bzw. Politik zu aktzentuieren. Tendenzen, daß moderne Medien gegenwärtig der Politik quasi Methoden und Regeln aufzwingen, scheint unter den Medienexperten als allgemeiner Konsens mehr oder weniger stark ausgeprägt. Nun wirft die Professorin Frevert in der Einführung, die Frage auf, ob im historischen Rückblick eine solche Wechselbeziehung nicht schon immer erkennbar war und reicht den Lesern die folgenden Aufsätze als Antwort.

 

Im ersten Text von Schreiner setzt sich dieser mit der Bedeutung von christlichen Symbolen, Fahnen und Bildern bei Konflikten im Mittelalter auseinander. Der Historiker verdeutlicht anhand emotional besetzter Symbole die Wirkungskraft auf kämpfende Personen. Symbolische Kommunikationsmedien rufen Gemütsbewegungen wie Mut, Vertrauen, Haß, Liebe, Furcht etc. wach und sind bei kriegerischen Handlungszusammenhängen unverzichtbar.

 

Die Auswirkung des Buchdrucks zu Zeiten des "erwählten Römischen Kaisers" (1508-1519) Maximilian des I. behandelt der Münchner Dozent Müller. Hier sind der systematische Einsatz des Mediums Buchdruck für die eigenen politischen Zwecke und Ziele Thema.

 

Über Ausführungen zu Flugblättern in Zeiten des Dreißigjährigen Krieges, Zeitung als Medium und u.a. die Konfrontation des Denkmals im öffentlichen Raum, schreitet der Leser thematisch und zeitlich voran zu dem gegenwärtig dominierenden Medium: dem Fernseher.

Ein gewisses Übermaß an Aktualität kann den Texten von Requate und Bucher zugesprochen werden: Zeitung als ehemaliges und das Fernsehen als gegenwärtiges Leitmedium werden behandelt: Welche Korrelationen zwischen Medien und Öffentlichkeit/ Politik herrschen und sind somit für das politische Tagesgeschehen erkennbar und abzuleiten.

 

Der eher abstrakt formulierte Aufsatz von Jäger beginnt mit grundlegenden Ausführungen zum Thema Sprache, wobei der Germanist im Anschluß eine Transkription auf Funktionsbereiche der Politik (1. Politische Planung und 2. Darstellung politischen Handelns) vorlegt.

 

Obwohl die Texte autark gelesen werden können, durchzieht zur besseren Orientierung eine Chronologie die Aufsatzsammlung- angefangen beim Früh- bzw. Spätmittelalter über die Neuzeit bis zur Gegenwart.

Manche Absätze, vereinzelt manche Texte, sind stark bestückt mit Fachtermini und beinhalten richtige Kracher. Klar- wo alle AutorInnen aus dem universitären Umfeld stammen und zum Teil an renommierten Fachbereichen forschen, werden wohl kaum Sätze konstruiert, die so kostengünstig zusammengeschraubt sind wie Mobiliar von Ikea. So ein textlicher Feinschliff scheint notwendig, um die Mechanik zwischen Medien und Öffentlichkeit bzw. Politik weiter auszuleuchten.

 

Den sachlich nüchternen Schreibstil lockert die Mehrheit der Autoren stets mit historischen, anschaulichen und aus der Tagespresse bekannten Beispielen auf, so dass auf den über 360 Seiten keineswegs abstrakte Formulierungen überwiegen. Obligatorisch bei solchen akademischen Beitragssammlungen: Die Quellenverweise, wo es sich überwiegend um Sekundärliteratur handelt, die vom niedersächsischen Verlagshaus Vandenhoeck & Ruprecht mit genügend Raum bedacht wurden.

Indem vereint das Buch Geschichts-, Politik- und Medienwissenschaft zu einer akzeptablen Schnittmenge. Interdisziplinären Experten wie themeninteressierte Personen werden glücklich über die vorliegende Publikation sein.

 

Ute Frevert/Wolfgang Braungart (Hg.)

Sprachen des Politischen

Medien und Medialität in der Geschichte

1. Aufl. 2004, ISBN 3-525-36274-9

 

Heiko Nitzschke