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21.12.2004


„Das Mädchen mit dem Perlenohrring"

 

Drama, GB/Luxemburg 2003

 

Ein Film nach dem gleichnamigen Buch von Tracy Chevalier um das geheimnisvolle Bild „Das Mädchen mit dem Perlenohrring", welches der Delfter Künstler Johannes Vermeer um 1665 gemalt haben soll. Doch sein eigentlicher Ursprung ist ungeklärt, ebenso wie die Identität des dargestellten Mädchens. Tracy Chevalier diente das Bild als Aufhänger für eine einfühlsame Liebesgeschichte, die den traurig eindringlichen Blick, den der Künstler so meisterhaft verewigte, auf ihre Weise erklärt.

 

Man taucht ein in das Delft des 17. Jahrhunderts mit seinem alltäglichen Leben zwischen Grachtenverkehr und Markttreiben. Die 16jährige Griet (Scarlett Johansson) ist nach dem Erblinden ihres Vaters aus finanziellen Gründen gezwungen ihr Elternhaus zu verlassen, um eine Stelle als Dienstmagd in dem prunkvollen Hause des Künstlers Johannes Vermeer (Colin Firth) anzunehmen. Neben Lebensmitteleinkauf und Waschen ist das Putzen des Ateliers eine ihrer vielen Aufgaben. Ein Privileg, denn der sensible Künstler hat seiner großen Familie jeglichen Zutritt untersagt, um bei der Arbeit ungestört zu sein. Aus Bewunderung und Faszination erwächst in Griet ein tiefes Interesse an Vermeers Werken. Angerührt durch ihr intuitives Kunstverständnis und ihre reine Wesensart, führt der Künstler das kluge Mädchen in die Geheimnisse der camera obscura, des farbanalytischen Blicks und das Mischen der Farbpigmente ein.

 

Doch die zarte Verbindung der beiden, die trotz Standes- und Bildungsunterschieden aufkeimt, bleibt insbesondere Vermeers Tochter Cornelia und seiner Schwiegermutter nicht verborgen. Griet sieht sich zusätzlich zu deren Gemeinheiten auch mit der Eifersucht von Vermeers Ehefrau Catharina (Essie Davis) und den Nachstellungen des Künstlerpatrons van Ruijven (Tom Wilkinson) konfrontiert. Nur der Metzgerssohn Pieter (Cillian Murphy), der für sie schwärmt, gibt dem Mädchen etwas positiven Halt in ihrer schwierigen Position.

 

Doch van Ruijven lässt ihr keine Ruhe und Vermeer bekommt von ihm einen neuen Auftrag: Er soll Griet portraitieren! Hin- und Hergerissen zwischen Liebe, Angst, Sittlichkeit und standesbedingten Verpflichtungsgefühlen stimmt die arme Magd zu. Als sie dann noch die Perlenohrringe der Künstlergattin für das Bild anlegen soll, ist das Schicksal nicht mehr aufzuhalten...

Ein sehr schöner, leiser Film ohne große Effekte und Aufwand, aber bildgewaltig. Der Zuschauer wird entführt in das Portrait einer Zeit mit stark ausgeprägtem Rollenverständnis zwischen Mann und Frau, zwischen Arm und Reich und gibt kleine erhellende Einblicke in das Alltagsleben zwischen Verkehrsweg Gracht, Festgelagen mit Schwanenbraten und Haushaltsführung ohne Waschmaschine und Herd. Regisseur Peter Webber legt vor allem vielmehr Wert auf feine Gefühlsnuancen, die insbesondere in den stillen Szenen durch Blicke und Gesten gekonnt umgesetzt werden und ein beeindruckend reiches Spiel nonverbaler Kommunikation entwickeln. Ein Film, in welchem das „Sich-nicht-ganz-Berühren" zweier Hände das Knistern unterdrückter Liebe spürbar macht und in dem das Schauen von geöffnetem Haar schon Voyeurismus gleichkommt.

 

Mehr Infos zum Film gibt es unter www.concorde-film.de

 

Das Buch "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" von Tracy Chevalie ist 2001 als Taschenbuch bei List Tb (ISBN 3548600697) erschienen.

 

Dorle Meyer