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8.9.2004

Fahrenheit 9/11: Der längste Anti-Wahl-Werbespot
„Shame on you if you fool me once, shame on me if you fool me twice“. Mit diesem allseits bekannten Sprichwort aus dem Mund des U.S. Präsidenten George W. Bush – allerdings in etwas ungekonnter und unvollständiger Form – beendet der U.S. amerikanische Dokumentarfilmer Michael Moore seinen Film gegen die Bush-Regierung: „Fahrenheit 9/11“. Dokumentarfilm? Also Objektiv? Von einem Mann, der auf dem Cover seines neuen Bestsellers „Dude, where´s my Country?“ George W. Bush am liebsten gestürzt sehen würde wie einst die Statue von Saddam Hussein in Bagdad?
Michael Moore macht keinen Hehl daraus, dass er der Welt aufzeigen will, dass George W. Bush nicht legal an die Macht gekommen ist, sei es nun durch die Diskriminierung der schwarzen Menschen in Florida bei der Wahl oder die Abschirmung der fragwürdigen Ergebnisse durch die Freunde seines Daddys – und dass Bush eine kindliche, unwissende, anti-pazifistische Marionette in seinem Regierungssystem ist.
Moore hat Fahrenheit 9/11 zu einem einzigen Zweck gemacht und zum jetzigen Zeitpunkt veröffentlicht: Im Jahr der US-Präsidentenwahlen soll dieser Film zur Abwahl von Bush beitragen.
Fakt ist, dass Moore’s Film ausschließlich Fakten in Form von Videoaufnahmen, Dokumenten oder Interviews zeigt. Moore dichtet nichts hinzu oder übertreibt Zahlen und Statistiken, also eine Dokumentation, könnte man denken. Er bietet sogar jedem, der einen Fehler in seinem Film entdeckt, 10000 $ Dollar. Nicht ohne Grund – viele Teile der Dokumentation erscheinen unglaublich: Das Drumherum des Wahlbetrugs im Jahre 2001, Bush’s Reaktion auf die Anschläge des 11.09. und sein (Nicht-)Handeln im Vorfeld, patriotische Kriegsverfechter, die ihre Kinder in den Krieg schicken. Zudem gibt „Fahrenheit 9/11“ Einblicke in die Beweggründe für U.S. Amerikaner, für ihr Land in den Krieg zu ziehen. Außerdem zeigt er sowohl grausame Kriegsszenen aus dem Irak mit den Kommentaren verbitterter U.S. Soldaten, die die Bush-Regierung verfluchen als auch kriegsgeile Soldaten im Irak, die sich auf Gefechte freuen und….Kriegsverbrecher sind, dem Bildmaterial zufolge.
Die Art und Weise, wie die in „Fahrenheit 9/11“ dargestellte Form von Dokumentation ihre Wirkung entfaltet, hat man bereits in Moore´s „Bowling for Columbine“ betrachten können:
Moore bringt objektive und nachprüfbare Fakten: Zahlen, Filmaufnahmen, Aktenauszüge u.ä. Durch seine Kommentierung dieser Fakten gelingt es Moore jedoch, dem Zuschauer die „richtige“ Würdigung des Betrachteten vorzunehmen. Der Zuschauer wird infolgedessen automatisch in Moore´s Sichtweise katapultiert. Doch dadurch, dass alles in dem Film faktisch untermauert ist, kann Moore sich diese Art der Dokumentarpräsentation leisten – besonders dann, wenn er sein Publikum dadurch zum Lachen bringt, dass er mit dem Eiswagen um das Capitol fährt, um den Abgeordneten per Mikrofon vorzulesen, was sie eigentlich beschlossen haben, oder indem er Goerge W. Bush zeigt, wie er in die Kamera hinein sagt, dass er, sobald er an Außenpolitik denkt, an Krieg denkt. Witzig, unglaublich, und zugleich beängstigend, wenn man bedenkt, dass der Mann Chef vom Knopf für die Raketen ist…
Kritisch anzumerken ist jedoch, dass Moore zu sehr den „Bauchladen“ aufmacht: Viele Themen rund um Bush und seine Freunde, deren Öl-Geschäfte, den sinnlosen Irak-Krieg oder die Einschränkung der Freiheitsrechte in den USA werden nur kurz und knapp angerissen, Fahrenheit 9/11 geht nur selten ins Detail oder macht den vernichtenden Schachzug.
Bleibt zu hoffen, dass dadurch die verschiedensten Gruppen aus den dargestellten verschiedensten Gründen bewegt werden, Bush abzuwählen und die Amerikaner dazu bewegt werden, nicht länger den vorgekauten Mainstream der Bush-Freunde in den Medien (Rupert Murdoch u.a.) hinzunehmen sondern selbständiges Denken zu starten.
Und: Seien wir doch froh, dass Moore uns ins Gedächtnis ruft, dass Kriege auf Kosten der Armen und unteren Schichten geführt werden, für den Erhalt der reichen Klasse. Seien wir doch froh, dass – nein, so richtig froh können wir erst sein, wenn uns diese Dinge nicht mehr aufgezeigt werden müssen, sondern wir sie aktiv verhindern und Menschen wie Michael Moore mit ihren Informationen dazu beigetragen haben, dass Leute wie George W. Bush nicht mehr im Amt sind: Denn Saddam Hussein war ein übler Diktator und hatte keine „weapons of mass destruction“, George W. Bush ist jedoch auch kein durch Wahlen legitimierter Präsident, er jedoch HAT Massenvernichtungswaffen.
Hoffen wir also, dass Fahrenheit 9/11 ein klein wenig dazu beiträgt, dass Bush und seine Hintermänner bei den Wahlen und durch diese nicht erneut die Chance erhalten, die U.S. Bevölkerung und den Rest der Welt erneut zu täuschen.
Christian Henze

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