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8.9.2004


Hochschulzugang: Über Hürden an die Uni

 

Viele Bundesländer wollen, sollte das H(ochschul)R(ahmen)G(esetz) vor dem Bundesverfassungsgericht keinen Bestand haben, allgemeine Studiengebühren einführen. Dass dies gerade für Jugendliche aus finanziell schwächer gestellten Schichten eine immense Hürde zum Zugang zu den Hochschulen darstellen würde, wurde in den letzten Monaten viel diskutiert und publiziert. Oft in den Hintergrund geraten ist dabei die Diskussion wie man sich eigentlich in unserer Gesellschaft in Zukunft ganz allgemein den Zugang zu Hochschulen vorstellt. So war bis vor einiger Zeit die ZVS für die großen zulassungsbeschränkten Fächer wie BWL, Jura, Medizin etc. die Stelle, die diese Studienplätze zentral vergeben hat. Im März letzten Jahres hat sich jedoch die Kultusministerkonferenz (KMK) dafür ausgesprochen den Einfluss der ZVS stark zu reduzieren und die Unis ihre Studierenden künftig selbst auswählen zu lasen. Hört sich dieses zunächst gut an, weil die Argumente „Bürokratieabbau“ und „die Unis wissen selbst am besten wer zu ihnen passt“ recht plausibel klingen, so birgt diese Tendenz eine große Gefahr für den freien und gleichen Zugang zur Bildung.

Die Vergabe der Studienplätze über die ZVS ist sicherlich in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht als das Nonplusultra anzusehen. Die ZVS war und ist nichts anderes als eine Einrichtung zur Mängelverwaltung. Letzteres ergab sich aus der immer noch andauernden Unterfinanzierung der Hochschulen. Die Abschaffung der ZVS wäre dann richtig und notwendig, wenn von Seiten der Politik endlich genug in die Bildung investiert würde um jeder Abiturientin und jedem Abiturienten einen Zugang zu dem von ihr oder ihm gewünschten Studienfach zu ermöglichen.

Bei der Auswahl durch die Hochschulen sollen neben den Noten auch Auswahlgespräche, Eingangstests, Motivationsschreiben, Auslandsaufenthalte sowie ehrenamtliches oder soziales Engagement mit in die Entscheidung einfließen. Auch wenn bei dem einen oder anderen Kriterium eine gewisse Sinnhaftigkeit zu erkennen ist, bleibt festzustellen, dass dies gerade für Studierende aus bildungsfernen Schichten eine weitere Zugangshürde darstellt. So hat jemand, der in seinem familiären Umfeld nie gelernt hat, sich gut zu artikulieren, bei Auswahlgesprächen keine guten Chancen. Wenn diese Person während seiner Schulzeit sein Taschengeld mit Nebenjobs verdienen musste, und deshalb keine Zeit für soziales Engagement hatte, und sich deshalb auch keinen Auslandsaufenthalt leisten konnte, hat sie trotz eventuell guter Qualifikation unter Umständen schlechte Karten. Gerade die Forderung nach Einstellungstests birgt ein großes Risiko. So lehrt die Erfahrung aus Frankreich, dass dies schnell dazu führt, dass sich die Schüler die es sich leisten können, vor dem Einstellungstest bei einem privaten und natürlich bezahlten Repetitor den Stoff für die Prüfung eintrichtern lassen. Dies führt zu einer massiven Abwertung des Abiturs und dem damit eigentlich verbundenen Recht auf einen Studienplatz.

Fraglich ist vor allen Dingen, wie dies alles finanziert werden soll. Von den Ländern wird es wohl kaum Unterstützung geben. Die KMK will es den Unis freistellen, die Kosten in Form von Bewerbungsgebühren an die BewerberInnnen weiterzuleiten. Dies würde wieder zu einer sozialen Spaltung und zur Bildung von Elitehochschulen führen. Denn an renommierten Hochschulen könnten sich nur diejenigen bewerben die genug Geld haben sich an mehreren Hochschulen zu bewerben. Wer nicht genug Geld für viele Bewerbungen hat, wird zusehen, dass er sich an einer Uni bewirbt, wo die Chancen genommen zu werden am größten sind.

Dies sind Entwicklungen die dem entgegenstehen, was dieses Land eigentlich braucht: gute Breitenförderung. Die Politik sollte sich, anstatt durch Studiengebühren, Eliteunis oder eben neue Zulassungsverfahren immer mehr Menschen vom Studium fernzuhalten, lieber darum kümmern die finanzielle Ausstattung der Unis zu verbessern, um jedem einen Zugang zur Uni zu gewährleisten unabhängig vom Beruf der Eltern.

 

 

Sascha John